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Angst beim Hund – Trösten und Ignorieren?

Erst neulich habe ich im Fernsehen einen Bericht über einen Hund mit Silvesterangst gesehen, bei dem sich mir ein wenig die Nackenhaare gesträubt haben aufgrund der Ratschläge, die dort zum Thema ‚Angst‘ einem breiten Publikum zugänglich gemacht wurden.

Doch wie genau geht man eigentlich mit der Angst seines Hundes um? Wie kann der Mensch seinem Hund in so einer Situation eine gute Stütze sein?

Einen häufigen Ratschlag, den meine Kunden immer wieder gerne fragend zitieren, ist das Trösten des Hundes in Angstsituationen zu unterlassen und ihn zu ignorieren.

Gerne benutze ich dann einen Vergleich aus dem Humanbereich um ihnen zu verdeutlichen, was das für den Hund bedeuten würde.

Als meine Söhne noch im Kindergartenalter waren, kam es das ein oder andere Mal vor, dass sie nachts aufgewacht sind und nicht wieder einschlafen konnten. Bedingt zum Beispiel durch einen schlechten Traum hatten sie Angst vor einem Monster. Während der eine in dem Moment meine Nähe gesucht hat und in mein Bett gekrabbelt ist, hat der andere keinen Fuß aus seinem Bett gesetzt , weil er davon überzeugt war, dass unter demselbigen das Monster wäre.

Wie habe ich mich nun in dem Moment meinen Kindern gegenüber verhalten ?
Wenn der Ansatz des Nicht-Tröstens und der Ignoranz hier nun greifen würde, hätte ich den einen zurück in sein Bett geschickt und dem anderen wahrscheinlich gesagt ‚er solle sich nicht so anstellen‘.

Stattdessen habe ich ihre Ängste aber Ernst genommen, habe dem einen Sohn durch den gewünschten Körperkontakt im Bett und meiner eigenen Ruhe ein Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit gegeben, bei dem anderen habe ich die Initiative ergriffen und mich auf ‚Monsterjagd‘ begeben, heißt unters Bett und in den Schrank geschaut, um sicher zu stellen, dass dort keine Gefahr lauert.

Viele werden jetzt in Angriff gehen und sagen, dass man Hund und Kind nicht vergleichen sollte.
Es geht mir auch nicht darum, Hund und Kind gleich zu setzen, sondern den Blick für Situationen zu schärfen.
Hätte ich meinen Kindern in ihren Angstsituationen nicht das gegeben, was sie in dem Moment brauchten, hätten wir sicherlich alle in dem Moment eine schlechte Nacht gehabt und ihr Vertrauen in mich wäre erschüttert gewesen.
Stattdessen habe ich ihnen Unterstützung geboten und zwar in dem ich mich aktiv eingebracht habe.

Und das ist es, was der Mensch in einer Angstsituation mit seinem Hund auch tun sollte:
Verantwortung übernehmen und sich aktiv einbringen.
Das heißt nicht, dass ich in wilder Manier auf ihn einrede und die Situation mit einem angstverstärkenden ‚ist ja alles gut‘ kommentiere, sondern seinen Bedürfnissen in dem Moment nachkomme.
Mitleid ist hier völlig fehl am Platz, da der Hund anhand der mitschwingenden Emotionen merkt, dass der Mensch selbst beunruhigt ist und das würde sein Angstgefühl nur noch maximieren.

Bezogen auf die Silvesternacht würde das nun heißen: Wenn mein Hund das Bedürfnis nach körperlicher Nähe hat, mit mir kuscheln möchte, lasse ich dies zu.
Ich verfalle nicht selbst in Panik, weil ich erkenne, dass mein Hund Angst hat, sondern unterstütze ihn mit ruhigen, langsamen Streichelbewegungen und einer ruhigen Ausstrahlung, um seinem Erregungslevel entgegenzuwirken.

Möchte mein Hund sich lieber verkriechen, um Schutz zu suchen, sei es unter dem Tisch, einer Bettdecke oder in einer ihm bekannten Hundebox, dann lasse ich ihm auch diese sichere Schutzzone.

Mein Hund soll merken, dass er auf mich zählen, mir in jeder Situation vertrauen kann.
Ich nehme ihn Ernst!

Wer in Notsituationen für seinen Hund da ist, erlebt auf Dauer etwas ganz besonderes: der Hund erkennt, dass er sich auf seinen Menschen verlassen kann.
Er spürt die Souveränität und Gelassenheit und wird so auch in anderen Situationen seinen Menschen als Hilfe betrachten und ihm dankbar Verantwortung übergeben.
Das stärkt die Bindung und schweißt als Team noch mehr zusammen.

Hunde, die gelernt haben, dass ihr Mensch verlässlich ist, sich aktiv in Situationen einbringt und diese für ihn regelt, neigen dann bei kleinen Schreckszenarien nicht mehr dazu, aus der Situation auszubrechen und fortzulaufen, sondern Schutz bei ihrem Menschen zu suchen und sich bei diesem aufzuhalten.

Dadurch wird der Mensch zu seinem ‚Fels in der Brandung‘ und so sollte es doch eigentlich sein, wenn man Verantwortung für ein Lebewesen übernommen hat. 🙂

Sollten Sie weitere Hilfen zu einem guten Trainingsaufbau benötigen, um zum Beispiel der Silvesterangst Ihres Hundes im neuen Jahr entgegenzuwirken, wenden Sie sich gerne an uns.

‚Nach Silvester ist vor Silvester‘ – ein Spruch, der sich bewahrheitet, denn während man in den knappen Monaten vor Silvester lediglich ein gesundes Management betreiben kann, hat man ab Januar ein ganzes Jahr Zeit, seinen Hund durch Training auf den nächsten Jahreswechsel gut vorzubereiten, damit dieser auch für den Hund entspannt stattfinden kann.

Ihre Kirsten Koch