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Hundebesitzer, Radfahrer, Jogger – High Noon auf offener Straße?

Als Hundebesitzer hat man in der großen weiten Welt augenscheinlich zwei natürliche Feinde : die Radfahrer und Jogger.
Dabei haben eigentlich alle drei Parteien ein und dasselbe Ziel: entspannt in der freien Natur ihrem Hobby zu frönen oder einfach mal den Kopf frei zu kriegen.
Aber anstatt jedem seinen Bereich zu zugestehen und gegenseitig Rücksicht zu nehmen, sind ein Großteil der Begegnungen durch Schimpftiraden, Pöbeleien und in ganz schlimmen Fällen Handgreiflichkeiten geprägt.
Manch einer vergisst tatsächlich seine gute Kinderstube.

Aber warum ist die Situation häufig so eingefahren?
Sicherlich muss sich hier so mancher Hundehalter an die eigene Nase fassen: es gibt leider immer noch viele Hundebesitzer, die der Meinung sind, dass Radfahrer oder Jogger selbst daran Schuld sind, wenn Unfälle geschehen.
Da ist der Mountainbikefahrer, der ihrer Meinung nach nichts im Wald verloren hat, da ist der Jogger, der einfach zu nah am Hund vorbei gejoggt oder nicht stehen geblieben ist, obwohl der Hund im Freilauf schon auf denselbigen zugerannt ist.

Was früher noch ein saisonales Aufeinandertreffen war, hat sich inzwischen durch die milden Winter geändert: Während die Radfahrer bereits immer früher mit ihrem Grundlagentraining starten, sind die Jogger ebenfalls ganzjährig vertreten.
Somit treffen alle drei Parteien häufiger aufeinander als zuvor.

Negative Erfahrungen bei allen dreien haben sicherlich zu der angespannten Lage geführt:
Radfahrer kennen nur zu gut die Situation, dass ihnen ein unkontrollierter Hund plötzlich vor dem Rad herläuft , sie während der Fahrt anspringt , ein ‚Autogramm‘ in ihrer Wade hinterlässt oder sogar versucht, aktiv das Rad zu stoppen, indem er versucht in den bewegten Reifen zu beißen.
Wie gefährlich so eine Situation für den Radfahrer ist, wenn das Ganze aus dem Nichts passiert, kann sich jeder ausmalen.
Hier können Verletzungen entstehen, die ein größeres Ausmaß haben.

Auch der Hund ist in dieser Situation stark gefährdet, wenn der Radfahrer nicht rechtzeitig sein Tempo drosseln kann.
Für Jogger kann die Ausübung ihres Sportes ebenfalls ein wahrer Spießrutenlauf werden. Es gibt unzählige Hundehalter, die es nicht für nötig halten, ihren unangeleinten Hund zu sich zu rufen und anzuleinen. Dünne, nicht schnell ersichtliche Flexileinen bilden Stolperfallen, wenn diese über den halben Gehweg gespannt sind, damit der Hund auf der gegenüberliegenden Seite schnüffeln oder sein Geschäft verrichten kann. Manche Hunde jagen dem Jogger noch aus dem Hinterhalt hinterher , um diesen am Hosenbein zu packen, um ihn in der Bewegung zu stoppen oder springen ihn direkt aus der Frontalen an.

Aber auch die Hundehalter haben es mit einigen Radfahrern oder Joggern nicht leicht.
Die meisten Probleme treten auf, wenn diese plötzlich aus dem Hinterhalt auftauchen und sich nicht bemerkbar machen. Die Hunde können sich dann schnell erschrecken, gerade unsichere und schnell erregbare Hunde geraten dann in Panik und handeln kopflos, heißt sie verbellen den Radfahrer oder Jogger, versuchen aus der Situation zu flüchten.
Wenn sie dem Hund frontal begegnen, fühlt dieser sich schneller bedroht und wenn man ihm nicht beigebracht hat, solche Situationen souverän zu meistern, wird er durch ein Verbellen oder Attackieren versuchen, eine Distanz herzustellen, um das Bedrohliche fernzuhalten – aus Hundesicht ein völlig normales Verhalten, in solchen Alltagssituationen natürlich nicht immer erstrebenswert.

Hier ist nun aber der Mensch gefragt, die Situation für den Hund gut zu gestalten und zu regeln.
Oftmals entschärft man die Situation schon, indem man den Hund etwas abseits vom Geschehen absitzen lässt oder ihm im Vorbeigehen eine Aufgabe gibt ( z.B. das Tragen eines Dummies /Spielzeuges), auf die er sich dann Konzentrieren muss. Natürlich wird der Hund dabei auf der vom Reiz abgewandten Seite geführt, um ihm die Begegnung so leicht wie möglich zu gestalten, aber auch um ihm körpersprachlich klar zu machen, dass der Mensch die Situation kontrollieren kann. Dass der Hund angeleint wird, halte ich bei solch einem Aufeinandertreffen für eine Selbstverständlichkeit.
Sollte ich als Mensch mit der Situation überfordert sein, weil der Hund vielleicht aggressiv reagiert, nicht ansprechbar und aus seinem Verhalten rauszuholen ist, so bedarf es dann vielleicht professioneller Hilfe und Anleitung eines Hundetrainers.

Generell möchte ich für mehr Verständnis und Rücksichtnahme auf allen Seiten werben:

Die Radfahrer und Jogger sollten sich immer bemerkbar machen, wenn sie erkennen, dass der Hundehalter zum Beispiel mit dem Rücken zu ihnen steht/läuft, ebenso kann eine Tempodrosselung die für den Hund reizvolle Dynamik entschärfen.
Selbst wenn eine Fahrradklingel bei einem Mountainbike nicht zur Grundausstattung gehört, ist man als Radfahrer in der Lage verbal auf sich aufmerksam zu machen, gleiches gilt für den Jogger.

Besteht die Möglichkeit eine Distanz zum Hund und seinen Halter zu schaffen, macht es Sinn um diese einen Bogen zu fahren oder zu laufen, so dass ich dem Hund deeskalierendes Verhalten vermittele. Ist dies nicht möglich, kann man alternativ kurz vom Rad absteigen und es schieben bzw. langsam am Hund vorbeigehen.

Die Hundehalter stehen aber ebenso in der Pflicht vorausschauend zu handeln. Gerade wenn es sich um unsichere, schnell erregbare oder aggressive Hunde handelt, muss ich als Halter dafür sorgen, dass der Hund nicht in eine missliche Lage gerät, in der er genau dieses Verhalten aus Selbstschutz abrufen muss.
Denn man kann nicht erwarten, dass ein Jogger oder ein Radfahrer immer im Hinterkopf hat, welche Problematik Hunde haben könnten.
Mit der nötigen Kommunikation bzw. Rücksichtnahme lässt sich aber auch so ein Problem lösen.

Wir haben hier in unserer Region soviel tolle Landschaften und Ecken, die für uns alle zugänglich sind und es ist doch toll, dass wir alle die Möglichkeit haben, die Natur zu geniessen und diese Plätze zu nutzen.
Da ist es doch nur fair und anständig, sich untereinander höflich zu verständigen und jedem seinen Raum zu lassen.

Wie heisst es so schön: ‚Rücksichtnahme ist keine Einbahnstraße‘ 😉

Ihre Kirsten Koch