Home » Neues Jahr – neues Glück…. oder der Mut zur Veränderung

Neues Jahr – neues Glück…. oder der Mut zur Veränderung

Wer kennt es nicht: jedes Jahr zu Silvester stehen die Zielsetzungen fürs neue Jahr an. Der eine möchte mehr Sport treiben, besser auf seine Ernährung achten, eine bessere Work-Life-Balance schaffen oder oder oder .

Ähnliche Vorsätze gibt es natürlich auch bei den Hundehaltern. Man möchte sich wieder mehr Zeit für seinen Vierbeiner nehmen, ihn mehr auslasten, mehr mit ihm trainieren.
Einige Halter schaffen es tatsächlich, dies langfristig durchzuziehen, andere werfen schon nach wenigen Wochen die Flinte wieder ins Korn, oft, wenn sie merken, dass sie im Alltag an die eigenen Grenzen stoßen.

Woran liegt das?

Der Mensch ist nunmal ein Gewohnheitstier und es fällt ihm schwer sich aus der eigenen Komfortzone herauszubewegen. Beispiele dafür gibt es genügend, nicht nur im Hundetraining.

Da gibt es die Partnerschaft, die über die Jahre hinweg unbefriedigend ist und statt Gefühlen eigentlich nur noch ritualisierte Mechanismen überwiegen.
Man hat sich an Tagesabläufe gewöhnt,nimmt Dinge, die einen in der eigenen Persönlichkeitsentfaltung hindern, hin, um Streit aus dem Weg zu gehen.

Jeder hat sich seine eigenen Rückzugsbereiche aufgebaut, sodass man gekonnt den eigentlichen Diskussionen und Reibungspunkten aus dem Weg gehen kann. Man hat sich vielleicht mehrmals zusammengerauft, hat Kind, Haus, andere Besitztümer, die einen verbinden, aber das wirklich notwendige – die Liebe – fehlt.

Man hat sich arrangiert. Und viele verharren in solchen Situationen, anstatt diese zu verändern.

Weil das , was man kennt, sicherer und leichter zu sein scheint, als die unbekannte X. Aber wie heißt es so schön: wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Oftmals merkt man erst, wenn man den Schritt der Veränderung gegangen ist, dass der Weg gar nicht so steinig und holperig ist wie er einem zu Beginn erscheint. Dass man plötzlich selbst wieder durchatmen , sich leichter und unbeschwerter fühlen kann.

Der Weg dahin ist natürlich ein Prozess und bedeutet Arbeit, da viel Selbstreflexion und Mut und Stärke zur Veränderung dazugehören. Man muss vielleicht Dinge hinter sich lassen, die einem vertraut sind (und die es einem über die Jahre auch bequem gemacht haben).

Warum ich ausgerechnet dieses Beispiel wähle? Weil es im Hundetraining häufig ähnlich passiert und man viele Parallelen ziehen kann.

Ein Hund zeigt zunächst nur im Kleinen die ersten ‚Macken‘, die sich zu größeren Problemen ausweiten können.

Häufig ist es so, dass der Mensch dem Ganzen keine Bedeutung beimisst, die Handlungen für den Hund aber in einem wichtigen Kontext stehen.

So können Entscheidungen, die der Hund für sich alleine und ohne jegliche Einwirkung des Menschen trifft, langsam aber sicher einen immer größeren Raum einnehmen und sich durch eine fehlendes Wahrnehmen und mangelndes Verständnis des Halters zu Problemen in der Mensch-Hund-Beziehung entwickeln.

Ein Beispiel hierfür wäre ein Hund, der im Haus nie eine klare Struktur kennengelernt hat, der von seinem Menschen keinen ‚Rahmen‘ gesetzt bekommen hat.
Der Hund entscheidet , wo er liegen darf, wer als erstes den Besuch an der Tür empfängt, wen oder was er anbellt. Der Mensch denkt sich nichts Schlimmes dabei.
Der Hund liegt sicherlich nur immer im Flur, weil es ihm warm ist und die Fliesen zur Abkühlung nutzen möchte. Er begrüßt den Besuch als erstes, weil er sich immer so freut und er bellt halt, tsja, weil Hunde halt bellen. Also schenkt der Mensch dem Ganzen zunächst keine Beachtung.

Im Laufe der Zeit steigert sich das Verhalten des Hundes im Haus aber und verlagert sich inzwischen auch nach draußen. Drinnen wird der Besuch inzwischen angesprungen und angebellt, der Hund scheint sich nicht zu beruhigen. Die Liegestelle, die der Hund für sich gewählt hat, befindet sich inzwischen nicht nur im Flur, sondern auch auf dem Sofa. Das gefällt dem Besitzer zwar nicht, aber da der Hund den längeren Atem hat und der Halter nur wenig Konsequenz besitzt, verändert dieser die Situation nicht langfristig.
Draußen hat sich der Hund inzwischen zum Leinenpöbler entwickelt, im Freilauf mit Artgenossen benimmt er sich wie eine kleine Rampensau. Spaziergänge werden zum Spießrutenlauf. Der Mensch versucht zwar irgendwie auf seinen Hund einzuwirken, da jedoch von Beginn an keine Struktur und Orientierung am Menschen gegeben war, ist dies vergebens, den der Hund traut seinem Menschen aus seiner Sicht nicht zu, Situationen zu regeln.

Und nun beginnt das, was für viele Menschen leider normal ist. Zunächst werden Entschuldigungen gesucht , warum sich der Hund gerade so verhält.’Ein Hund muss ja bellen, der muss ja aufpassen!’ Stimmt, wenn der Mensch sich seiner Verantwortung entzieht ;-).
‚Die machen das schon unter sich aus, die klären das schon untereinander.‘ Warum? In den seltensten Fällen leben die Hunde zusammen in einem Haushalt, da gibt es gerade nix zu klären.

Häufig gibt es da eine zu menschliche Sichtweise, die nicht mit dem Denken und Handeln des Hundes übereinstimmt.
Der nächste Schritt, wenn es problematischer wird, ist die ‚Vogel-Strauß-Taktik‘. Der Mensch versucht Probleme zu umgehen. Er meidet bei Pöbeleien mit Artgenossen Gebiete, wo ein hohes Hundeaufkommen ist, geht nur noch im Dunkeln spazieren oder lässt den Hund im schlimmsten Fall nur noch in den Garten, um sich zu lösen.
Das was hier stattfindet, ist ein Verdrängen bzw. eine Problemverschiebung.

Die persönliche Schmerzgrenze des Menschen ist noch nicht erreicht. Er hat für sich erstmal eine Methodik gefunden, um dem eigentlichen Problem aus dem Weg zu gehen, ohne es auch nur im Ansatz zu lösen.
Damit lebt es sich für einen gewissen Zeitraum sehr gut, auch wenn der Mensch in seinem eigenen Leben dadurch Einschränkungen erfahren muss, scheint das zunächst die Lösung zu sein, weil es einfach erscheint ohne dass man selbst groß etwas verändern muss.

Aber der Hund lässt nicht locker, sein Verhalten generalisiert sich, er ruft es immer wieder und auch mit massiver Steigerung ab. So langsam verändert sich auch das Stresspegel des Halters. Was zunächst noch als ‚die Lösung‘ galt, wird plötzlich in einem anderen Licht gesehen. Man entkommt dem Problem nicht!
Der Wunsch nach Veränderung ist da.

Nun kommen wir Hundetrainer ins Spiel, die dem Menschen zunächst einmal nahe bringen müssen, wo genau die Kommunikationsmissverständnisse zwischen ihm und seinem Hund liegen. Und dann müssen wir genau darauf aufmerksam machen, was für den Menschen oftmals das Schwierigste am ganzen Hundetraining ist:
Der Mensch muss selbst aktiv werden, Sachen aktiv ändern und …und das ist das Wichtigste: Verantwortung übernehmen!
Nur er selbst kann dafür sorgen, dass es bergauf geht. Er muss die Entscheidungen treffen, sich selbst reflektieren und an sich arbeiten, um seinem Hund Orientierung bieten zu können.
Dinge zu verändern ist sicherlich das Schwierigste, da man in festgefahrenen Schemen lebt und handelt.
Aber diese zu durchbrechen, kann letztendlich nur Positives bewirken, auch wenn der Weg sicherlich mit Höhen und Tiefen gepflastert ist . Aber ist es das nicht wert, wenn man dafür eine vertrauens- und respektvolle Beziehung erhält und somit auch wieder selbst mehr Lebensqualität und Luft zum Atmen?

Daher scheuen Sie sich auch im neuen Jahr nicht vor Veränderungen und werden selbst aktiv!

Ihr Hund wird es Ihnen danken 😉

Ihre Kirsten Koch