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Was kostet ein Hund wirklich?

Warum der Anschaffungspreis die kleinste Rechnung ist

„So viel Geld für einen Hund?“

„Die Hundeschule ist aber teuer.“

„Eine Krankenversicherung für 80 oder 100 Euro im Monat? Das ist mir zu viel.“

„Beim Züchter kostet der Welpe 2.000 Euro – dann hole ich lieber einen aus dem Tierschutz.“

Solche Sätze begegnen mir immer wieder.

Und vorweg: Dieser Beitrag soll keine Diskussion darüber sein, ob ein Hund vom Züchter oder aus dem Tierschutz die bessere Wahl ist. Beides kann richtig sein. Beides kann falsch gemacht werden. Und beides hat mit der Frage, um die es mir hier geht, zunächst überhaupt nichts zu tun.

Mir geht es um etwas anderes:

Können und wollen wir uns eigentlich leisten, was nach der Anschaffung kommt?

Denn ich erlebe zunehmend eine Mentalität, bei der schon vor Einzug eines Hundes versucht wird, an möglichst vielen Stellen den günstigsten Weg zu finden.

Der Anschaffungspreis soll möglichst niedrig sein.

Beim Futter wird verglichen.

Die Versicherung erscheint zu teuer.

Bei der Hundeschule wird zuerst auf den Preis geschaut und erst danach – wenn überhaupt – auf Qualifikation und Erfahrung.

Und sobald Physiotherapie, Diagnostik, Medikamente oder spezialisiertes Training notwendig werden, wird es plötzlich schwierig.

Dabei sollte die finanzielle Planung vor der Entscheidung für einen Hund stattfinden – und nicht erst dann, wenn der Hund bereits da ist.

 

Die erste Überraschung: 20.000 Euro sind eher die Unterkante

Der Deutsche Tierschutzbund nennt für einen mittelgroßen Hund mit einer Lebensdauer von 14 Jahren Mindestkosten von rund 17.500 bis 20.000 Euro. Und das Entscheidende daran: Zusätzliche Tierarztkosten, Hundeschule und andere Sonderausgaben können wegen ihrer enormen individuellen Unterschiede darin gar nicht vollständig berücksichtigt werden.

Das bedeutet:

Diese rund 20.000 Euro sind nicht die Luxusvariante.

Sie sind eine grobe Mindestkalkulation.

Wer einen Hund realistisch absichern, vernünftig ernähren, ausbilden und im Krankheitsfall behandeln lassen möchte, landet über ein Hundeleben schnell deutlich darüber.

Machen wir es deshalb einmal ganz unromantisch.

Mit Zahlen.

 

Beispielrechnung: Ein mittelgroßer Hund lebt 14 Jahre

Natürlich unterscheiden sich Hunde enorm. Ein Chihuahua frisst weniger als eine Deutsche Dogge. Ein gesunder Hund verursacht andere Kosten als ein chronisch kranker. Hundesteuer, Versicherungsbeiträge und Tierarztkosten unterscheiden sich ebenfalls.

Die folgende Rechnung ist deshalb kein offizieller Durchschnitt, sondern ein bewusst überschaubares Rechenbeispiel für einen mittelgroßen Hund.

Kostenpunkt Beispiel über 14 Jahre
Anschaffung ca. 400–2.500 €
Grundausstattung ca. 500 €
Futter, Ø 80 €/Monat 13.440 €
Hundesteuer, Ø 120 €/Jahr 1.680 €
Haftpflicht, Ø 70 €/Jahr 980 €
Krankenvollversicherung, beispielhaft Ø 1.000 €/Jahr 14.000 €
Vorsorge, Selbstbehalte, nicht erstattete Tierarztkosten, Ø 300 €/Jahr 4.200 €
Hundeschule/Fortbildung im Laufe des Lebens ca. 2.500 €
Ersatz für Betten, Leinen, Geschirre, Zubehör usw., Ø 150 €/Jahr 2.100 €

Damit landen wir bereits bei ungefähr:

39.800 bis 41.900 Euro.

Oder anders gerechnet:

rund 240 bis 250 Euro pro Monat – 14 Jahre lang.

Und in dieser Rechnung fehlen noch jede Menge Dinge.

Keine Hundepension.

Keine Betreuung während des Urlaubs.

Kein Hundefriseur.

Keine regelmäßige Physiotherapie.

Keine Osteopathie.

Keine Spezialdiagnostik.

Keine besondere Ernährung bei Erkrankungen.

Keine Medikamente bei chronischen Erkrankungen.

Kein neues orthopädisches Hundebett.

Keine aufwendigen Operationen, soweit sie nicht vollständig von einer Versicherung übernommen werden.

Kein zerstörtes Sofa während der Pubertät.

Und auch nicht die zehnte Leine, die man kauft, weil man die anderen neun angeblich „wirklich nicht gebrauchen kann“.

Kurz gesagt:

40.000 Euro über ein Hundeleben sind keineswegs eine absurde Luxusrechnung.

Je nach Hund können es erheblich mehr werden.

 

„Aber im Tierheim kostet der Hund doch nur ein paar hundert Euro“

Ja.

Und genau hier liegt ein Denkfehler, den ich problematisch finde.

Tierheime erheben eine Schutzgebühr. Diese deckt in der Regel nur einen Teil dessen ab, was zuvor für Futter, Pflege und tiermedizinische Versorgung aufgewendet wurde.

Das ist ein erheblicher Unterschied beim Anschaffungspreis.

Aber eben nicht bei den nächsten zwölf, dreizehn oder vierzehn Jahren.

Ob ich für meinen Hund bei der Anschaffung 400 Euro oder 2.000 Euro bezahlt habe, ändert nichts daran, dass er später möglicherweise eine Kreuzbandoperation braucht.

Es ändert nichts am Preis des Futters.

Es ändert nichts an der Hundesteuer.

Es ändert nichts daran, dass ein Verhaltensproblem fachliche Hilfe erforderlich machen kann.

Und es ändert nichts daran, dass auch ein Tierschutzhund Physiotherapie, Medikamente oder umfangreiche Diagnostik benötigen kann.

Deshalb finde ich die Begründung:

„Ein Hund vom Züchter ist mir zu teuer, deshalb nehme ich einen aus dem Tierschutz“

zumindest dann bedenklich, wenn damit tatsächlich gemeint ist:

„Ich kann mir einen höheren Anschaffungspreis finanziell nicht leisten.“

Denn dann sollte man nicht nur nach einem billigeren Hund suchen.

Dann sollte man zuerst die komplette Rechnung betrachten.

 

Ein Hund wird nicht billiger, weil seine Anschaffung billig war

Nehmen wir unser Beispiel von ungefähr 40.000 Euro Gesamtkosten.

Ob der Hund ursprünglich 400 oder 2.000 Euro gekostet hat, verändert die Gesamtrechnung gerade einmal um 1.600 Euro.

Auf 14 Jahre verteilt sind das etwa 9,50 Euro im Monat.

Das zeigt ziemlich deutlich, wie wenig aussagekräftig der reine Anschaffungspreis über die tatsächliche finanzielle Belastung eines Hundelebens ist.

Ausgerechnet an diesem Betrag die gesamte Entscheidung festzumachen, ist deshalb eigentlich ziemlich kurz gedacht.

 

Tiermedizin ist heute teuer – und wird nicht plötzlich kostenlos, wenn der Hund krank wird

Einer der größten Punkte ist die medizinische Versorgung.

Eine aufwendige Diagnostik, eine Operation, ein Klinikaufenthalt oder ein Notfall können schnell vierstellige Beträge verursachen.

Und dann hilft es dem Hund wenig, wenn der Halter sagt:

„Damit habe ich nicht gerechnet.“

Genau deshalb halte ich persönlich eine vernünftige Absicherung inzwischen für einen wichtigen Bestandteil verantwortungsvoller Hundeplanung.

Das muss nicht zwangsläufig für jeden Menschen dasselbe Versicherungsmodell sein.

Eine gute Krankenvollversicherung ist eine Möglichkeit.

Eine entsprechend große, sofort verfügbare finanzielle Rücklage kann eine andere sein.

Was aus meiner Sicht jedoch keine verantwortungsvolle Strategie ist:

weder Versicherung noch Rücklage zu haben und darauf zu hoffen, dass schon nichts passieren wird.

Denn Krankheit ist kein charakterlicher Fehler des Hundes.

Und Alter auch nicht.

 

Und dann kommt die Hundeschule

Dieser Punkt betrifft natürlich meinen eigenen Beruf.

Und vielleicht bin ich deshalb besonders deutlich:

Bei Bildung rund um den Hund ausschließlich nach dem günstigsten Preis zu entscheiden, halte ich für eine ausgesprochen schlechte Idee.

Wir reden über ein Lebewesen, mit dem man möglicherweise 15 Jahre zusammenlebt.

Ein Hund kann 30, 40 oder 50 Kilogramm wiegen.

Er besitzt Zähne.

Er kann jagen.

Er kann Angst entwickeln.

Er kann andere Hunde problematisch finden.

Er kann Menschen bedrohen.

Er kann plötzlich aggressives Verhalten zeigen.

Er kann Schwierigkeiten beim Alleinbleiben entwickeln.

Er kann Ressourcen verteidigen.

Er kann aufgrund von Schmerzen sein Verhalten verändern.

Und manchmal braucht es schlicht jemanden, der fachlich beurteilen kann, warum ein Verhalten entsteht und wie sinnvoll damit gearbeitet werden kann.

Qualifizierte Hundetrainer investieren über Jahre Geld in Ausbildung, Fortbildung, Seminare, Fachliteratur, Versicherungen, Trainingsgelände, Mitarbeiter und ihre eigene fachliche Weiterentwicklung.

Das kann nicht zum Preis eines Cappuccinos angeboten werden.

Natürlich darf und soll man Preise vergleichen.

Aber die erste Frage sollte nicht lauten:

„Wer ist am billigsten?“

Sondern:

„Wer ist qualifiziert?“

„Wer arbeitet fachlich fundiert?“

„Wer kann meinen Hund tatsächlich einschätzen?“

„Welche Ausbildung und Erfahrung bringt dieser Mensch mit?“

Und erst danach:

„Was kostet diese Leistung?“

Denn billig ist nicht automatisch preiswert.

Gerade beim Hundetraining kann eine schlechte Beratung später ausgesprochen teuer werden – finanziell, emotional und manchmal auch auf Kosten des Hundes.

 

Hundeschule ist außerdem nicht nur für „Problemhunde“ da

Auch das wird gerne vergessen.

Idealerweise investiert man nicht erst Geld in Fachwissen, wenn der Hund bereits Menschen attackiert, massive Ängste entwickelt oder an der Leine vollkommen eskaliert.

Welpenbegleitung, Junghundetraining, Alltagstraining, Beratung zu Beschäftigung, Körpersprache, Stress, Jagdverhalten oder Begegnungssituationen sind Investitionen in das zukünftige Zusammenleben.

Man kauft sich damit kein „funktionierendes Produkt Hund“.

Man investiert in Wissen.

Und Wissen kann verhindern, dass aus kleinen Schwierigkeiten irgendwann große werden.

 

Und was passiert, wenn der Hund plötzlich Physiotherapie braucht?

Auch solche Kosten tauchen in der romantischen Planung eines Hundelebens erstaunlich selten auf.

Der Hund verletzt sich.

Er entwickelt Arthrose.

Er bekommt Probleme mit Hüfte oder Rücken.

Er wird operiert.

Plötzlich sind regelmäßige Physiotherapie, Medikamente oder spezielle Hilfsmittel sinnvoll.

Vielleicht benötigt er im Alter dauerhaft Schmerzmittel.

Vielleicht muss das Auto angepasst werden.

Vielleicht braucht er eine Rampe.

Vielleicht orthopädische Liegeflächen.

Vielleicht verträgt er sein bisheriges Futter nicht mehr.

Vielleicht braucht er monatlich Medikamente.

Genau dann entscheidet sich, ob ein Hund finanziell nur in das schöne Leben eingeplant wurde – oder auch in das schwierige.

 

Ein Hund ist kein Mittel, damit es uns besser geht

Und hier wird es für mich noch einmal grundsätzlich.

Natürlich wünschen sich Menschen einen Hund, weil sie Freude an ihm haben möchten.

Weil sie Gesellschaft suchen.

Weil sie gerne spazieren gehen.

Weil sie sich Nähe wünschen.

Weil ein Hund ihrem Leben vielleicht Struktur gibt.

Weil sie sich weniger allein fühlen.

All das ist vollkommen legitim.

Aber ich finde es egoistisch, einen Hund ausschließlich aus dem eigenen Bedürfnis heraus anzuschaffen – damit wir uns besser fühlen, damit wir Gesellschaft haben, damit wir einen Wunsch erfüllt bekommen – wenn gleichzeitig schon vorher klar ist, dass die finanziellen Möglichkeiten für seine vernünftige Versorgung eigentlich nicht vorhanden sind.

Denn ab dem Moment, in dem dieser Hund einzieht, geht es eben nicht mehr nur um unsere Bedürfnisse.

Dann gibt es ein zweites Lebewesen mit eigenen Bedürfnissen.

Mit einem Recht auf medizinische Versorgung.

Mit einem Recht darauf, dass ihm geholfen wird, wenn er Schmerzen hat.

Mit einem Recht auf fachliche Unterstützung, wenn sein Verhalten zeigt, dass etwas nicht stimmt.

Und mit einem Recht darauf, auch dann versorgt zu werden, wenn er irgendwann unbequem oder teuer wird.

Einen Hund zu wollen ist ein menschliches Bedürfnis.

Einen Hund zu halten bedeutet Verantwortung für seine Bedürfnisse zu übernehmen.

Das ist ein Unterschied.

Ein Tier sollte nicht dafür bezahlen müssen, dass sein Mensch sich einen Wunsch erfüllt hat, ohne vorher ehrlich zu prüfen, ob er die damit verbundene Verantwortung auch dauerhaft tragen kann.

 

Ein Hund muss auch dann noch ins Leben passen, wenn sich das Leben verändert

Und zu dieser Ehrlichkeit gehört für mich noch etwas, was bei der Anschaffung häufig zu kurz kommt:

Wir dürfen nicht nur unsere momentane Lebenssituation betrachten.

Ein Hund begleitet uns möglicherweise zwölf, vierzehn oder sogar noch mehr Jahre.

Und kaum jemand lebt zwölf oder vierzehn Jahre lang unter exakt denselben Bedingungen.

Partnerschaften können enden.

Menschen können ihren Arbeitsplatz verlieren.

Eine Selbstständigkeit kann schlechter laufen.

Man kann selbst erkranken.

Ein Einkommen kann plötzlich geringer werden.

Kinder kommen hinzu.

Wohnsituationen verändern sich.

Mieten steigen.

Ein Umzug kann notwendig werden.

Vielleicht muss plötzlich eine Betreuung für den Hund organisiert und bezahlt werden, weil sich Arbeitszeiten verändert haben.

Vielleicht braucht der Hund ausgerechnet in einer Phase, in der finanziell ohnehin weniger Spielraum vorhanden ist, plötzlich Medikamente, regelmäßige Physiotherapie oder intensives Training.

Natürlich kann niemand sein komplettes Leben für die kommenden 14 Jahre vorhersagen.

Darum geht es auch nicht.

Aber man sollte sich vor der Anschaffung zumindest die Frage stellen:

Wie belastbar ist meine Planung eigentlich, wenn nicht alles so bleibt, wie es heute ist?

Kann ich die laufenden Kosten auch tragen, wenn mein Einkommen zeitweise sinkt?

Habe ich Rücklagen?

Habe ich eine vernünftige Absicherung?

Was passiert mit dem Hund, wenn ich plötzlich mehr arbeiten muss?

Kann ich Betreuung bezahlen?

Was passiert, wenn aus einem bisher gesunden Hund ein chronisch kranker Hund wird?

Und habe ich überhaupt finanziellen Spielraum dafür, dass mein eigener Lebensweg vielleicht nicht genauso verläuft, wie ich ihn heute plane?

Das bedeutet nicht, dass man für jede denkbare Katastrophe Geld auf einem Konto liegen haben muss.

Aber zwischen einer unmöglichen Vollabsicherung und gar keiner Vorsorge liegt ziemlich viel.

Verantwortung bedeutet für mich deshalb auch, einen gewissen Puffer einzuplanen.

Denn der Hund hat sich nicht dafür entschieden, dass sich unser Leben verändert.

Und eine Trennung, Arbeitslosigkeit, Krankheit oder finanzielle Veränderung macht seine Bedürfnisse nicht plötzlich kleiner.

Ein Hund muss deshalb nicht nur heute in unser Leben passen. Wir übernehmen Verantwortung dafür, dass wir ihn möglichst auch dann noch versorgen können, wenn unser Leben einmal weniger planbar wird.

 

„Aber nicht jeder hat so viel Geld.“

Das stimmt.

Und mir geht es ausdrücklich nicht darum, Hundehaltung zu einem Privileg für besonders wohlhabende Menschen zu erklären.

Niemand muss reich sein, um einen Hund gut zu halten.

Man kann gebrauchte Dinge kaufen.

Man braucht nicht fünf Hundebetten.

Ein Hund braucht keine Designleine.

Man kann Futter sinnvoll auswählen, ohne jedem Marketingtrend hinterherzulaufen.

Man kann Rücklagen bilden.

Man kann Versicherungen vergleichen.

Und verantwortungsvolle Hundehaltung muss ganz sicher nicht luxuriös sein.

Aber zwischen „nicht reich sein“ und „die grundlegenden Kosten eines Hundes nicht tragen können oder wollen“besteht ein erheblicher Unterschied.

Und darüber sollten wir ehrlicher sprechen.

Denn Liebe bezahlt keine Tierarztrechnung

Das klingt hart.

Aber es ist wahr.

Liebe ersetzt keine medizinische Versorgung.

Liebe ersetzt keine fachliche Hilfe.

Liebe bezahlt keine Medikamente.

Und „Wir werden das schon irgendwie schaffen“ ist keine Finanzplanung für ein Lebewesen, für das man möglicherweise die nächsten 15 Jahre Verantwortung übernimmt.

Ein Hund kann nichts dafür, dass seine Hüfte kaputtgeht.

Er kann nichts dafür, dass er Allergiker wird.

Er kann nichts dafür, wenn er nach einer schlechten Erfahrung Verhalten entwickelt, bei dem professionelle Hilfe notwendig ist.

Und er kann schon gar nichts dafür, wenn sein Mensch diese Möglichkeiten vor seiner Anschaffung nicht mitgedacht hat.

Deshalb darf man sich vor der Anschaffung eine unbequeme Frage stellen

Nicht nur:

Kann ich mir diesen Hund kaufen?

Sondern:

Kann ich mir diesen Hund auch halten?

Kann ich monatlich einen realistischen Betrag für ihn einplanen?

Kann ich eine gute Krankenabsicherung bezahlen oder alternativ eine ausreichende Rücklage bilden?

Kann ich eine Tierarztrechnung über mehrere Tausend Euro auffangen?

Kann ich professionelle Unterstützung bezahlen, wenn wir sie brauchen?

Kann ich Physiotherapie ermöglichen, wenn mein Hund sie benötigt?

Kann ich mir auch einen alten Hund leisten – nicht nur einen gesunden jungen?

Kann ich seine Versorgung zumindest grundsätzlich auch noch stemmen, wenn mein eigenes Leben finanziell oder organisatorisch einmal schwieriger wird?

Und vielleicht die wichtigste Frage:

Bin ich bereit, dieses Geld auch tatsächlich für meinen Hund auszugeben?

Denn manchmal liegt das Problem meiner Erfahrung nach nicht darin, dass Geld grundsätzlich nicht vorhanden wäre.

Sondern darin, welchen Wert Menschen einer Leistung beimessen.

Für andere Dinge werden problemlos hohe Summen ausgegeben.

Bei Hundetraining, Tiermedizin oder Physiotherapie beginnt dagegen plötzlich die Diskussion, ob das nicht auch irgendwo zehn Euro günstiger geht.

Das ist die Mentalität, die ich zunehmend schwierig finde.

 

Der günstigste Hund kann am Ende der teuerste sein

Und der teuerste Hund in der Anschaffung muss keineswegs der teuerste Hund seines Lebens werden.

Darum sollte weder ein niedriger Schutzbetrag im Tierschutz noch ein hoher Kaufpreis beim Züchter das entscheidende Argument sein.

Die richtige Frage lautet vielmehr:

Passt dieser Hund zu mir – fachlich, zeitlich, emotional und finanziell?

Und zwar nicht nur heute.

Sondern mit einer gewissen realistischen Perspektive auf die kommenden Jahre.

Denn Verantwortung beginnt nicht mit dem Kaufvertrag.

Sie beginnt eigentlich vorher.

Mit einer ehrlichen Kalkulation.

Mit Vorsorge.

Mit Rücklagen.

Und auch mit dem Gedanken daran, dass das eigene Leben sich verändern kann.

Und sie endet nicht nach der Welpengruppe.

Sie endet im besten Fall viele Jahre später bei einem alten Hund, der vielleicht langsamer läuft, Medikamente benötigt, Physiotherapie bekommt und finanziell deutlich mehr kostet als damals als junger, gesunder Hund.

Und genau für diesen Hund entscheiden wir uns mit.

Nicht nur für den süßen Welpen.

Nicht nur für das hübsche Foto aus dem Tierheim.

Nicht nur für den gesunden jungen Hund.

Sondern auch für den kranken.

Den schwierigen.

Den alten.

Und den teuren.

 

Mein Fazit

Wer schon beim Anschaffungspreis, bei einer vernünftigen Absicherung oder bei fachlich notwendigem Hundetraining an eine finanzielle Grenze gerät, sollte deshalb meiner Meinung nach vor der Anschaffung sehr ernsthaft prüfen, ob ein Hund aktuell wirklich in die eigene Lebenssituation passt – und ob zumindest genügend Spielraum vorhanden ist, auch Veränderungen dieser Lebenssituation aufzufangen.

Das ist keine Frage von Status oder Wohlstand.

Es ist eine Frage von Verantwortung.

Denn ein Hund hat keine Möglichkeit, sich später einen anderen Kostenträger zu suchen.

Er kann auch nichts dafür, wenn unsere Lebensplanung nicht aufgeht.

Wir entscheiden uns für ihn.

Und damit entscheiden wir uns auch für die Verantwortung, die zu seinem ganzen Leben gehört – nicht nur zu den Jahren, in denen bei uns selbst gerade alles gut läuft.

Kirsten Koch
Kirsten Koch
Inhaberin, Hundeverhaltensberaterin und Trainerin, Treibballtrainerin, Revieren-Instruktorin
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