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Hundewiesen – gut gemeint ist nicht immer gut gemacht

Warum gut gemeinte Sozialkontakte für unsere Hunde manchmal alles andere als sozial sind.

Hundewiesen erfreuen sich großer Beliebtheit. Eingezäunte Flächen, auf denen Hunde nach Herzenslust miteinander spielen, toben und rennen können. Währenddessen stehen die Menschen zusammen, unterhalten sich und freuen sich darüber, dass ihre Vierbeiner beschäftigt sind.

Klingt doch eigentlich wunderbar, oder?

Leider ist es häufig nicht ganz so einfach.

Denn nur weil mehrere Hunde gemeinsam über eine Wiese laufen, bedeutet das noch lange nicht, dass sie miteinander spielen. Und nur weil ein Hund körperlich ausgelastet wirkt, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass er eine schöne Zeit hatte.

Aus meiner Sicht lohnt es sich deshalb, das Konzept Hundewiese einmal etwas genauer zu betrachten.

 

Was spricht für Hundewiesen?

Zunächst einmal: Hundewiesen sind nicht grundsätzlich schlecht.

Unter den richtigen Voraussetzungen können sie durchaus Vorteile bieten.

Gerade in städtischen Gebieten ermöglichen eingezäunte Flächen Hunden, die aus unterschiedlichen Gründen nicht frei laufen können, eine gewisse Bewegungsfreiheit.

Auch können sich dort passende Hundepartner begegnen, miteinander interagieren und soziale Erfahrungen sammeln.

Vorausgesetzt natürlich, die Hunde passen hinsichtlich ihres Sozialverhaltens, ihrer Bedürfnisse und ihrer individuellen Voraussetzungen zusammen.

Eine gut geführte Hundewiese kann außerdem eine Gelegenheit sein, Ausdrucksverhalten zu beobachten und die eigene Wahrnehmung für hundliche Kommunikation zu schulen.

Aber genau hier beginnt für mich auch das Problem.

Denn nicht jeder Sozialkontakt ist ein guter Sozialkontakt!

Hunde sind soziale Lebewesen. Aber daraus abzuleiten, dass jeder Hund möglichst viele Kontakte zu möglichst vielen Artgenossen benötigt, halte ich für einen grundlegenden Denkfehler.

Wir Menschen möchten schließlich auch nicht mit jedem fremden Menschen kommunizieren, geschweige denn körperlich interagieren.

Warum erwarten wir also genau das von unseren Hunden?

Ein Hund kann ausgesprochen sozialkompetent sein und trotzdem überhaupt kein Interesse daran haben, mit fremden Artgenossen über eine Wiese zu rennen.

Andere Hunde bevorzugen ausgewählte Sozialpartner, mit denen sie vertraut sind.

Wieder andere genießen durchaus wechselnde Kontakte.

Sozialverhalten ist individuell.

Und soziale Kompetenz bedeutet eben nicht, jeden anderen Hund toll finden zu müssen.

Ein Hund, der sich bewusst aus einer Interaktion zurückzieht oder einem anderen Hund ausweicht, zeigt damit nicht zwangsläufig Unsicherheit oder ein soziales Defizit.

Im Gegenteil: Das Vermeiden unnötiger Konflikte kann durchaus Ausdruck sozialer Kompetenz sein.

Problematisch wird es allerdings, wenn diese Entscheidung von anderen Hunden nicht respektiert wird.

 

Wenn aus Spiel plötzlich Mobbing wird

Ein besonders großes Problem sehe ich darin, dass viele Hundehalter Schwierigkeiten haben, zwischen einem tatsächlich ausgeglichenen Spiel und problematischen Interaktionen zu unterscheiden.

Da wird gejagt, gerannt, gerempelt und übereinander hergefallen.

Und während der Mensch begeistert feststellt, wie schön die Hunde miteinander spielen, sieht die Realität möglicherweise ganz anders aus.

Vielleicht versucht einer der Hunde schon seit mehreren Minuten, sich der Situation zu entziehen.

Vielleicht wird er immer wieder von mehreren Hunden verfolgt.

Vielleicht werden seine körpersprachlichen Signale konsequent ignoriert.

Vielleicht versucht er, Schutz bei seinem Menschen zu suchen.

Und vielleicht hat er längst aufgehört, sich zu wehren, weil seine bisherigen Strategien erfolglos geblieben sind.

Solche Situationen haben mit einem für alle Beteiligten angenehmen Spiel wenig zu tun.

Natürlich darf es auch im Spiel körperlich werden.

Entscheidend ist jedoch, ob die Interaktion auf Gegenseitigkeit beruht.

Wechseln die Rollen?

Gibt es Pausen?

Können sich die Hunde voneinander lösen?

Werden Grenzen respektiert?

Kann jeder Beteiligte die Situation jederzeit verlassen?

Ein Hund, der immer wieder gejagt wird und keine Möglichkeit bekommt, sich zu entziehen, hat nicht automatisch Spaß.

Und ein Hund, der einen anderen ununterbrochen verfolgt, zeigt ebenfalls nicht zwangsläufig freundliches Spielverhalten.

Gerade das sogenannte Mobbing wird häufig vollkommen falsch eingeschätzt.

Wenn mehrere Hunde einen einzelnen Hund bedrängen, seine Bewegungen einschränken oder ihn immer wieder verfolgen, wird das nicht selten als lustiges Gruppenspiel interpretiert.

Dabei kann der betroffene Hund erheblich unter Stress stehen.

Besonders problematisch wird es, wenn sich solche Situationen wiederholen und der Hund zunehmend die Erfahrung macht, dass seine Kommunikation wirkungslos bleibt.

Hier braucht es Menschen, die hinschauen, Situationen erkennen und gegebenenfalls eingreifen.

Und zwar bevor eine Situation eskaliert.

 

Der Mensch als Sozialpartner – Und warum seine Verantwortung nicht am Eingang der Hundewiese endet

Was mich persönlich immer wieder beschäftigt, ist die Rolle des Menschen.

Denn häufig beobachtet man auf Hundewiesen ein ähnliches Bild:

Die Hunde werden abgeleint, die Menschen stellen sich zusammen und unterhalten sich.

Die Hunde beschäftigen sich schließlich miteinander.

Und damit scheint die Verantwortung zunächst einmal abgegeben.

Aber genau das ist sie nicht!

Unser Hund betrachtet uns als wichtigen Sozialpartner.

Er orientiert sich an uns, sucht bei uns Sicherheit und sollte sich darauf verlassen können, dass wir Situationen angemessen einschätzen und bei Bedarf Verantwortung übernehmen.

Wenn Gaia oder Potter in einer Situation bedrängt würden und bei mir Schutz suchten, wäre es meine Aufgabe, diesen Schutz auch tatsächlich zu gewährleisten.

Nicht erst dann, wenn die Situation eskaliert.

Sondern bereits dann, wenn erkennbar wird, dass einer meiner Hunde Unterstützung benötigt.

Stellen wir uns einmal vor, ein Hund versucht wiederholt, sich einem aufdringlichen Artgenossen zu entziehen.

Er weicht aus, zeigt entsprechende körpersprachliche Signale und sucht Distanz.

Doch der andere Hund lässt nicht locker.

Irgendwann orientiert sich der bedrängte Hund zu seinem Menschen.

Und was passiert?

Nichts.

Sein Mensch steht einige Meter entfernt und unterhält sich.

Ausgerechnet der Sozialpartner, von dem der Hund Unterstützung erwarten könnte, reagiert nicht.

Was lernt der Hund möglicherweise aus einer solchen Situation?

Dass seine bisherigen Kommunikationsversuche erfolglos bleiben.

Dass sein Mensch nicht zuverlässig eingreift.

Und dass er die Situation gegebenenfalls selbst lösen muss.

Manche Hunde reagieren darauf mit zunehmender Unsicherheit oder Rückzug.

Andere werden deutlicher in ihrer Kommunikation und setzen irgendwann ihre Zähne ein.

Und plötzlich heißt es:

„Der hat ganz ohne Vorwarnung zugeschnappt!“

Dabei wurden die vorherigen Signale möglicherweise einfach übersehen.

Das bedeutet übrigens nicht, dass wir unseren Hunden jede soziale Auseinandersetzung abnehmen müssen.

Hunde dürfen und sollen miteinander kommunizieren.

Sie dürfen Grenzen setzen, Grenzen respektieren und Erfahrungen sammeln.

Aber es macht einen erheblichen Unterschied, ob Hunde eine soziale Situation selbstständig und angemessen bewältigen können oder ob sie mit einer Situation überfordert sind und auf Unterstützung angewiesen wären.

Verantwortung zu übernehmen bedeutet nicht, jede Interaktion zu kontrollieren.

Es bedeutet, zu erkennen, wann Unterstützung notwendig ist.

 

Nicht jeder Hund, der rennt hat Spaß!

Ein weiterer Punkt, den ich für ausgesprochen wichtig halte, ist die Unterscheidung zwischen positiver Erregung und Stress.

Viele Menschen interpretieren einen Hund, der wild über eine Wiese rennt, automatisch als glücklich.

Aber Bewegung allein ist kein zuverlässiger Indikator für Wohlbefinden.

Auch Stress kann sich in hektischer Aktivität äußern.

Ein Hund kann rennen, weil er verfolgt wird.

Er kann aufgeregt zwischen verschiedenen Hunden hin- und herlaufen, weil er Schwierigkeiten hat, die Situation zu verarbeiten.

Er kann andere Hunde bedrängen, weil sein Erregungsniveau längst zu hoch ist.

Und er kann scheinbar ausgelassen wirken, obwohl er innerlich stark angespannt ist.

Deshalb lohnt es sich, genauer hinzusehen.

Wie ist seine Körperspannung?

Wie bewegt er sich?

Kann er zwischendurch zur Ruhe kommen?

Sucht er freiwillig immer wieder den Kontakt?

Oder versucht er möglicherweise, Abstand herzustellen?

Zeigt er Stresssignale wie häufiges Züngeln, Erstarren, Ausweichen oder eine auffällig angespannte Körperhaltung?

Einzelne Signale müssen dabei immer im Zusammenhang betrachtet werden.

Entscheidend ist das Gesamtbild.

Auch ein Hund, der nach einem Besuch auf der Hundewiese völlig erschöpft nach Hause kommt und anschließend stundenlang schläft, muss nicht zwangsläufig zufrieden und ausgeglichen sein.

Möglicherweise war er schlicht überreizt.

Körperliche Erschöpfung und emotionales Wohlbefinden sind schließlich nicht dasselbe.

 

Die besondere Problematik eingezäunter Flächen

Ein eingezäuntes Gelände bietet zunächst einmal Sicherheit.

Zumindest hinsichtlich des Weglaufens.

Für die sozialen Interaktionen innerhalb dieser Fläche kann die Begrenzung allerdings problematisch werden.

Denn nicht jeder Hund kann sich einer unangenehmen Situation ausreichend entziehen.

In vielen natürlichen Begegnungssituationen besteht die Möglichkeit, einen Bogen zu laufen, Distanz zu vergrößern oder den Kontakt vollständig zu vermeiden.

Auf einer Hundewiese sind diese Möglichkeiten oftmals eingeschränkt.

Insbesondere dann, wenn sich viele Hunde auf relativ kleiner Fläche befinden.

Hinzu kommt, dass an Eingängen häufig eine besondere Dynamik entsteht.

Ein neuer Hund betritt das Gelände und wird möglicherweise sofort von mehreren bereits anwesenden Hunden begrüßt, bedrängt oder regelrecht umlagert.

Für manche Hunde stellt allein diese Situation bereits eine enorme Herausforderung dar.

Auch territoriale oder ressourcenbezogene Konflikte können entstehen, insbesondere wenn Hunde die Fläche regelmäßig nutzen oder bestimmte Bereiche für sich beanspruchen.

All das sollte berücksichtigt werden, bevor man seinen Hund einfach durch das Eingangstor schickt.

 

Wenn Spielzeug plötzlich zum Konfliktstoff wird

Ein weiterer Punkt, der auf Hundewiesen häufig unterschätzt wird, ist das Mitbringen von Spielzeugen.

Da wird mal eben ein Ball geworfen, ein Tau ausgepackt oder ein anderes Spielzeug angeboten.

Was zunächst nach einer harmlosen Beschäftigung aussieht, kann innerhalb einer Hundegruppe schnell zu erheblichen Konflikten führen.

Denn nicht jeder Hund bewertet eine solche Ressource gleich.

Während der eine Hund vielleicht wenig Interesse an einem Gegenstand zeigt, besitzt dieser für einen anderen einen enorm hohen Stellenwert.

Gerade bei Hunden mit einer ausgeprägten Beutemotivation können Spielzeuge eine besonders begehrte Ressource darstellen.

Plötzlich konkurrieren mehrere Hunde um denselben Gegenstand.

Was der Mensch möglicherweise noch als ausgelassenes Spiel interpretiert, kann längst eine ernsthafte Konkurrenzsituation sein.

Hunde können beginnen, Ressourcen zu beanspruchen, andere Hunde auf Abstand zu halten, den Zugang zum Spielzeug zu blockieren oder ihren Besitz gegenüber Artgenossen zu verteidigen.

Hinzu kommt, dass die Erregung durch das gemeinsame Hetzen hinter einem Ball zusätzlich ansteigen kann.

Gerade in einer ohnehin dynamischen Hundegruppe können daraus Situationen entstehen, die schnell eskalieren.

Und auch hier gilt:

Nicht jeder Hund, der einem anderen mit einem Spielzeug hinterherrennt, möchte zwangsläufig mit ihm spielen.

Manchmal geht es schlicht darum, selbst an die begehrte Ressource zu gelangen.

Besonders problematisch finde ich dabei, dass Hundehalter häufig gar nicht wissen, welche Bedeutung ein bestimmter Gegenstand für die anderen anwesenden Hunde hat.

Wer einen Ball in eine Gruppe fremder Hunde wirft, kann schließlich nicht davon ausgehen, dass alle Beteiligten entspannt und konfliktfrei damit umgehen.

Aus meiner Sicht haben deshalb gerade besonders begehrte Spielzeuge in einer unübersichtlichen Gruppe fremder Hunde nichts verloren.

Und noch etwas ist mir wichtig:

Ressourcenverteidigung ist nicht automatisch Ausdruck mangelnder Sozialkompetenz oder eines grundsätzlich aggressiven Hundes.

Ressourcen zu sichern, kann zum normalen Verhaltensrepertoire eines Hundes gehören.

Entscheidend ist, in welchen Situationen dieses Verhalten auftritt, wie ausgeprägt es ist und wie wir Menschen damit umgehen.

Es ist unsere Verantwortung, vorhersehbare Konflikte möglichst gar nicht erst entstehen zu lassen.

Denn nicht jeder Konflikt zwischen Hunden muss ausgetragen werden, nur weil wir Menschen der Meinung sind, dass die Hunde das schon unter sich regeln werden.

Gerade bei begehrten Ressourcen wie Spielzeug, Futter oder auch der eigene Mensch bzw. die Aufmerksamkeit des Menschens ist vorausschauendes Handeln gefragt.

Es muss schließlich nicht erst zu einer Auseinandersetzung kommen, bevor wir erkennen, dass eine Situation ungünstig gestaltet wurde.

 

Hundewiesen als bequeme “Beschäftigung”?

Ein weiterer Aspekt, den ich durchaus kritisch sehe, ist die Vorstellung, dass Hunde auf einer Hundewiese automatisch sinnvoll beschäftigt werden.

Man fährt hin, lässt den Hund laufen, wartet eine halbe Stunde und fährt anschließend mit einem vermeintlich ausgelasteten Hund wieder nach Hause.

Natürlich ist Bewegung wichtig.

Aber Beschäftigung bedeutet mehr als körperliche Aktivität.

Und vor allem sollte Beschäftigung nicht ausschließlich darin bestehen, dass Hunde sich gegenseitig hochfahren.

Ein Hund, der nach einer halben Stunde völlig erschöpft ist, muss deshalb noch lange nicht zufrieden und ausgeglichen sein.

Möglicherweise ist er schlicht überreizt.

Eine gute Beschäftigung berücksichtigt die individuellen Bedürfnisse des Hundes.

Dazu gehören beispielsweise gemeinsames Erkunden, Nasenarbeit, ruhige Aktivitäten, Bewegung, soziale Interaktionen mit geeigneten Partnern und natürlich auch ausreichende Erholungsphasen.

Vor allem aber gehört dazu die gemeinsame Beschäftigung mit seinem Menschen.

Denn unsere Hunde brauchen nicht nur andere Hunde.

Sie brauchen auch uns.

Ich finde es durchaus bemerkenswert, dass manche Hundehalter viel Wert darauf legen, ihrem Hund möglichst viele Sozialkontakte zu ermöglichen, gleichzeitig aber die gemeinsame Beschäftigung mit ihrem eigenen Hund vernachlässigen.

Dabei entsteht eine tragfähige Mensch-Hund-Beziehung nicht dadurch, dass wir unseren Hund möglichst häufig sich selbst oder anderen Hunden überlassen.

Sie entsteht durch gemeinsames Erleben, Orientierung, Verlässlichkeit und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.

Eine Hundewiese kann eine Ergänzung sein.

Sie sollte aber kein Ersatz für eine bedürfnisorientierte Beschäftigung und die gemeinsame Zeit mit unserem Hund werden.

 

Und was ist mit Welpen und Junghunden?

Gerade bei jungen Hunden wird häufig argumentiert, dass sie möglichst viele Sozialkontakte benötigen, um sozialkompetent zu werden.

Doch Quantität ersetzt keine Qualität.

Ein Welpe lernt nicht automatisch etwas Positives, nur weil er möglichst vielen unterschiedlichen Hunden begegnet.

Im Gegenteil.

Wird er wiederholt bedrängt, überfordert oder eingeschüchtert, können solche Erfahrungen seine weitere soziale Entwicklung negativ beeinflussen.

Ebenso problematisch ist es, wenn junge Hunde immer wieder erleben, dass sie andere Artgenossen ungehindert bedrängen dürfen.

Soziale Kompetenz entwickelt sich nicht durch grenzenlose Kontakte.

Sie entwickelt sich durch angemessene Erfahrungen, verständliche Kommunikation und die Möglichkeit, Grenzen sowohl zu setzen als auch zu respektieren.

Deshalb halte ich sorgfältig ausgewählte Sozialkontakte gerade für junge Hunde für wesentlich sinnvoller als unkontrollierte Begegnungen auf überfüllten Hundewiesen.

Ein junger Hund muss nicht lernen, mit jedem fremden Hund zu spielen.

Er sollte vielmehr lernen dürfen, andere Hunde wahrzunehmen, ihre Kommunikation einzuordnen und angemessen darauf zu reagieren.

Dazu gehört auch, dass er nicht jeden Artgenossen begrüßen muss und dass ein friedliches Nebeneinander ebenso wertvoll sein kann wie eine direkte soziale Interaktion.

Woran erkenne ich eine gute Hundewiese?

Trotz aller Kritik möchte ich noch einmal betonen, dass Hundewiesen durchaus eine Bereicherung sein können.

Entscheidend sind die Rahmenbedingungen.

Eine geeignete Hundewiese sollte ausreichend Platz und Möglichkeiten bieten, sich aus dem Weg zu gehen.

Die Gruppenzusammensetzung sollte überschaubar bleiben und die beteiligten Hunde sollten hinsichtlich ihres Ausdrucksverhaltens und ihrer sozialen Bedürfnisse möglichst gut zusammenpassen.

Auch Rückzugsmöglichkeiten sind wichtig.

Besonders sinnvoll finde ich es, wenn Hunde nicht unmittelbar am Eingang von einer ganzen Gruppe empfangen werden und neue Begegnungen möglichst ruhig gestaltet werden können.

Begehrte Ressourcen wie Bälle, Futter oder Spielzeuge sollten nicht unbedacht in eine Gruppe eingebracht werden.

Und vor allem sollten die anwesenden Menschen ihre Hunde aufmerksam begleiten.

Wer erkennt, wann ein Hund Unterstützung benötigt, wann Erregung zu hoch wird oder wann eine soziale Interaktion unangenehm wird, kann frühzeitig handeln.

Eine gute Hundewiese zeichnet sich deshalb für mich nicht dadurch aus, dass möglichst viele Hunde möglichst wild miteinander toben.

Sondern dadurch, dass die Bedürfnisse aller beteiligten Hunde berücksichtigt werden.

Manchmal bedeutet das auch, einen Kontakt zu unterbrechen oder die Hundewiese wieder zu verlassen.

Und das ist vollkommen in Ordnung.

 

Was ich mir von Hundehaltern wünschen würde

Ich wünsche mir, dass wir genauer hinschauen.

Dass wir aufhören, jeden Kontakt zwischen Hunden automatisch als Bereicherung zu betrachten.

Dass wir nicht davon ausgehen, dass unsere Hunde sich schon irgendwie untereinander einigen werden.

Und dass wir verstehen, dass auch das Nicht-Eingreifen eine Entscheidung ist, die Konsequenzen haben kann.

Unsere Hunde kommunizieren ständig.

Die Frage ist nur, ob wir ihnen auch zuhören.

Eine Hundewiese kann eine schöne Möglichkeit sein, einem Hund Freilauf und geeignete Sozialkontakte zu ermöglichen.

Sie kann aber ebenso zu einem Ort werden, an dem Hunde überfordert werden, unangenehme Erfahrungen sammeln oder problematische Verhaltensstrategien entwickeln.

Entscheidend ist nicht, wie viele Hunde dort miteinander unterwegs sind.

Entscheidend ist, wie es den einzelnen Hunden dabei geht.

Und vielleicht sollten wir uns häufiger fragen, ob unser Hund diesen Kontakt gerade tatsächlich möchte.

Oder ob wir Menschen es sind, die glauben, dass er ihn unbedingt braucht.

 

Mein Fazit:

Eine Hundewiese ist weder grundsätzlich gut noch grundsätzlich schlecht.

Sie ist zunächst einmal ein Ort, an dem Hunde aufeinandertreffen.

Ob daraus eine positive Erfahrung wird, hängt von vielen Faktoren ab.

Von den beteiligten Hunden.

Von der Gruppenzusammensetzung.

Von den räumlichen Möglichkeiten.

Von der Fähigkeit der Menschen, hundliches Ausdrucksverhalten richtig einzuordnen.

Und vor allem von ihrer Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.

Denn wer seinen Hund auf eine Hundewiese begleitet, sollte nicht nur körperlich anwesend sein.

Er sollte auch aufmerksam sein.

Unsere Hunde müssen nicht jeden anderen Hund mögen.

Sie müssen nicht mit jedem spielen.

Und sie müssen auch nicht jede soziale Situation allein bewältigen.

Manchmal ist der wertvollste Sozialkontakt für unseren Hund der Mensch, der an seiner Seite steht, seine Bedürfnisse erkennt und ihm vermittelt:

„Ich sehe dich. Ich verstehe dich. Und wenn du Unterstützung brauchst, bin ich für dich da.“

Denn genau das macht für mich eine verlässliche soziale Beziehung aus.

Nicht, dass wir unseren Hunden jede Herausforderung abnehmen.

Sondern dass sie sich darauf verlassen können, mit schwierigen Situationen nicht grundsätzlich allein gelassen zu werden.

Kirsten Koch
Kirsten Koch
Inhaberin, Hundeverhaltensberaterin und Trainerin, Treibballtrainerin, Revieren-Instruktorin
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