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Autor: @.KiRsTEn.-.KOcH.@

‚Gasgeben‘ und ‚Auspowern‘ – das Geheimnis für einen entspannten, ruhigen Hund und Verhaltensprobleme?

Immer wieder begegnet mir im Training die weitverbreitete Meinung, dass man Hunde, die eher aufgedreht und reizanfällig sind, richtig auspowern muss, damit diese zur Ruhe kommen können.

Da wird z.B. mit Bällen geworfen bis der Arzt kommt – denn wenn der Hund vielleicht durch den straffen Alltagsplan oder durch gesundheitliche Gründe des Menschens nicht genügend Auslauf hatte, kann er wenigstens dadurch Bewegung erlangen und das schlechte Gewissen des Halters ist auch erstmal für einen gewissen Zeitraum beruhigt.
Der Hund kommt augenscheinlich zur Ruhe nach dieser Aktivität , aus Sicht des Halters in diesem Moment eine Win-Win-Situation: der Hund ist ausgepowert und müde, da er körperlich erschöpft ist, der Halter kann sich nun zunächst anderen Dingen widmen.

Aber schaffe ich es so einen eher aufgedrehten Hund zur Ruhe zu bringen? Und kann ich damit Verhaltensprobleme lösen, so wie es gerne auch mal in den Medien propagiert wird?

Um zu verstehen, dass das Gegenteil der Fall ist, muss man sich zunächst mit den Vorgängen im Körper des Hundes auseinandersetzen.

Was genau passiert da eigentlich , wenn ich einen Hund mit z.B. einer Ballschleuder zu körperlicher Höchstform auflaufen lasse, der eh schon ständig in einem hohen Erregungszustand ist?

Generell wird im Körper des Hundes durch eine hohe körperliche Aktivität Adrenalin produziert, das in dem Moment selbstbelohnend, quasi der Kick ist, den der Hund durch das schnelle Laufen oder Hetzen bekommt. Deshalb sind viele Hunde durch z.B. das Bällewerfen recht schnell ‚angefixt‘.

Ein Hund, der sich allerdings ständig in einem hohen Stresslevel befindet , ist körperlich eh schon angespannt . Das wird durch das Auspowern und den Adrenalineinfluss noch verstärkt.

In diesem Moment ist der Hund für den Menschen nur noch bedingt bis gar nicht mehr ansprechbar, ‚klares Denken‘ bzw. Lernprozesse sind für den Hund nicht mehr möglich, es stehen die Instinktverhaltensweisen im Vordergrund wie z.B. das Jagen.

Während der Hund sich schnell bewegt, rauschen auch an ihm viele Außeneindrücke im rasenden Tempo vorbei wie zum Beispiel Geräusche oder Gerüche, derer wir Menschen uns oft gar nicht bewusst sind.
Diese wollen aber nun auch vom Hund verarbeitet werden, was aber nicht möglich ist, da er völlig unter Strom steht und seine Sinne durch das Tempo, in dem die Reize auf sie einprasseln, ebenfalls überfordert sind.

Natürlich ist der Hund nach so einem energiegeladenen ‚Run‘ erstmal müde und kaputt, aber der Körper des Hundes gewöhnt sich ziemlich schnell an diese Anforderungen.
Ähnlich wie bei einem Menschen, der regelmäßig Joggen geht, wird auch der Hund mit jeder hohen Aktivität fitter, und es bedarf ein ‚mehr‘, um in einen müden Zustand zu gelangen.
Die daraus folgende Konsequenz ist, dass der Mensch irgendwann an persönliche Grenzen stößt, was die körperliche Auslastung seines Hundes angeht.
Für den Hund bedeutet das allerdings auch ab einem gewissen Level ein fehlendes Maß an Schlaf. Und wie bei kleinen Kindern heißt es dann hier : ‚Nach müde kommt doof.‘ , denn ein Hund der ein fehlendes Schlafbedürfnis hat, ist alles andere als ausgeglichen.

All dies hat zur Folge, dass bei dem Hund kein langfristiger Ruhezustand entsteht, sondern diese Komponenten führen nur zu einem: mehr Reizbarkeit!

Sie sehen, ein Hund der eh schon ständig angespannt und reizbar ist, gewinnt durch das gut gemeinte Auspowern des Menschen keinen Vorteil, im Gegenteil, er verliert weiterhin ein Stück Lebensqualität .

Bitte seien Sie bei der Auswahl der Beschäftigung Ihres Hundes immer achtsam.
Wenn Sie unsicher sind, was zu Ihrem Typ Hund passen könnte, lassen Sie sich beraten.
Wir helfen Ihnen gerne die passende Beschäftigung zu finden.

Generell sollte jeder für sich wissen , dass zu einer guten Auslastung eine gesunde Mischung von körperlicher UND geistiger Auslastung gehören, ebenso wie wohlverdiente Ruhephasen.

Ihre Kirsten Koch

Hundebesitzer, Radfahrer, Jogger – High Noon auf offener Straße?

Als Hundebesitzer hat man in der großen weiten Welt augenscheinlich zwei natürliche Feinde : die Radfahrer und Jogger.
Dabei haben eigentlich alle drei Parteien ein und dasselbe Ziel: entspannt in der freien Natur ihrem Hobby zu frönen oder einfach mal den Kopf frei zu kriegen.
Aber anstatt jedem seinen Bereich zu zugestehen und gegenseitig Rücksicht zu nehmen, sind ein Großteil der Begegnungen durch Schimpftiraden, Pöbeleien und in ganz schlimmen Fällen Handgreiflichkeiten geprägt.
Manch einer vergisst tatsächlich seine gute Kinderstube.

Aber warum ist die Situation häufig so eingefahren?
Sicherlich muss sich hier so mancher Hundehalter an die eigene Nase fassen: es gibt leider immer noch viele Hundebesitzer, die der Meinung sind, dass Radfahrer oder Jogger selbst daran Schuld sind, wenn Unfälle geschehen.
Da ist der Mountainbikefahrer, der ihrer Meinung nach nichts im Wald verloren hat, da ist der Jogger, der einfach zu nah am Hund vorbei gejoggt oder nicht stehen geblieben ist, obwohl der Hund im Freilauf schon auf denselbigen zugerannt ist.

Was früher noch ein saisonales Aufeinandertreffen war, hat sich inzwischen durch die milden Winter geändert: Während die Radfahrer bereits immer früher mit ihrem Grundlagentraining starten, sind die Jogger ebenfalls ganzjährig vertreten.
Somit treffen alle drei Parteien häufiger aufeinander als zuvor.

Negative Erfahrungen bei allen dreien haben sicherlich zu der angespannten Lage geführt:
Radfahrer kennen nur zu gut die Situation, dass ihnen ein unkontrollierter Hund plötzlich vor dem Rad herläuft , sie während der Fahrt anspringt , ein ‚Autogramm‘ in ihrer Wade hinterlässt oder sogar versucht, aktiv das Rad zu stoppen, indem er versucht in den bewegten Reifen zu beißen.
Wie gefährlich so eine Situation für den Radfahrer ist, wenn das Ganze aus dem Nichts passiert, kann sich jeder ausmalen.
Hier können Verletzungen entstehen, die ein größeres Ausmaß haben.

Auch der Hund ist in dieser Situation stark gefährdet, wenn der Radfahrer nicht rechtzeitig sein Tempo drosseln kann.
Für Jogger kann die Ausübung ihres Sportes ebenfalls ein wahrer Spießrutenlauf werden. Es gibt unzählige Hundehalter, die es nicht für nötig halten, ihren unangeleinten Hund zu sich zu rufen und anzuleinen. Dünne, nicht schnell ersichtliche Flexileinen bilden Stolperfallen, wenn diese über den halben Gehweg gespannt sind, damit der Hund auf der gegenüberliegenden Seite schnüffeln oder sein Geschäft verrichten kann. Manche Hunde jagen dem Jogger noch aus dem Hinterhalt hinterher , um diesen am Hosenbein zu packen, um ihn in der Bewegung zu stoppen oder springen ihn direkt aus der Frontalen an.

Aber auch die Hundehalter haben es mit einigen Radfahrern oder Joggern nicht leicht.
Die meisten Probleme treten auf, wenn diese plötzlich aus dem Hinterhalt auftauchen und sich nicht bemerkbar machen. Die Hunde können sich dann schnell erschrecken, gerade unsichere und schnell erregbare Hunde geraten dann in Panik und handeln kopflos, heißt sie verbellen den Radfahrer oder Jogger, versuchen aus der Situation zu flüchten.
Wenn sie dem Hund frontal begegnen, fühlt dieser sich schneller bedroht und wenn man ihm nicht beigebracht hat, solche Situationen souverän zu meistern, wird er durch ein Verbellen oder Attackieren versuchen, eine Distanz herzustellen, um das Bedrohliche fernzuhalten – aus Hundesicht ein völlig normales Verhalten, in solchen Alltagssituationen natürlich nicht immer erstrebenswert.

Hier ist nun aber der Mensch gefragt, die Situation für den Hund gut zu gestalten und zu regeln.
Oftmals entschärft man die Situation schon, indem man den Hund etwas abseits vom Geschehen absitzen lässt oder ihm im Vorbeigehen eine Aufgabe gibt ( z.B. das Tragen eines Dummies /Spielzeuges), auf die er sich dann Konzentrieren muss. Natürlich wird der Hund dabei auf der vom Reiz abgewandten Seite geführt, um ihm die Begegnung so leicht wie möglich zu gestalten, aber auch um ihm körpersprachlich klar zu machen, dass der Mensch die Situation kontrollieren kann. Dass der Hund angeleint wird, halte ich bei solch einem Aufeinandertreffen für eine Selbstverständlichkeit.
Sollte ich als Mensch mit der Situation überfordert sein, weil der Hund vielleicht aggressiv reagiert, nicht ansprechbar und aus seinem Verhalten rauszuholen ist, so bedarf es dann vielleicht professioneller Hilfe und Anleitung eines Hundetrainers.

Generell möchte ich für mehr Verständnis und Rücksichtnahme auf allen Seiten werben:

Die Radfahrer und Jogger sollten sich immer bemerkbar machen, wenn sie erkennen, dass der Hundehalter zum Beispiel mit dem Rücken zu ihnen steht/läuft, ebenso kann eine Tempodrosselung die für den Hund reizvolle Dynamik entschärfen.
Selbst wenn eine Fahrradklingel bei einem Mountainbike nicht zur Grundausstattung gehört, ist man als Radfahrer in der Lage verbal auf sich aufmerksam zu machen, gleiches gilt für den Jogger.

Besteht die Möglichkeit eine Distanz zum Hund und seinen Halter zu schaffen, macht es Sinn um diese einen Bogen zu fahren oder zu laufen, so dass ich dem Hund deeskalierendes Verhalten vermittele. Ist dies nicht möglich, kann man alternativ kurz vom Rad absteigen und es schieben bzw. langsam am Hund vorbeigehen.

Die Hundehalter stehen aber ebenso in der Pflicht vorausschauend zu handeln. Gerade wenn es sich um unsichere, schnell erregbare oder aggressive Hunde handelt, muss ich als Halter dafür sorgen, dass der Hund nicht in eine missliche Lage gerät, in der er genau dieses Verhalten aus Selbstschutz abrufen muss.
Denn man kann nicht erwarten, dass ein Jogger oder ein Radfahrer immer im Hinterkopf hat, welche Problematik Hunde haben könnten.
Mit der nötigen Kommunikation bzw. Rücksichtnahme lässt sich aber auch so ein Problem lösen.

Wir haben hier in unserer Region soviel tolle Landschaften und Ecken, die für uns alle zugänglich sind und es ist doch toll, dass wir alle die Möglichkeit haben, die Natur zu geniessen und diese Plätze zu nutzen.
Da ist es doch nur fair und anständig, sich untereinander höflich zu verständigen und jedem seinen Raum zu lassen.

Wie heisst es so schön: ‚Rücksichtnahme ist keine Einbahnstraße‘ 😉

Ihre Kirsten Koch

Der Trainerhund – der perfekte Hund?

Der Trainerhund – eine Begrifflichkeit, die mich an sich schon schmunzeln lässt. Was ist das überhaupt , ein Trainerhund? Was macht ihn aus , welche Eigenschaften sollte er haben? 

In den Köpfen einiger Menschen ist der Trainerhund das Synonym für den vollkommenen Hund: hundertprozentiger Gehorsam, ein Allrounder in allen Beschäftigungsbereichen, die das Hundetraining hergibt, stets freundlich und sozialkompatibel mit jedem Hund und mit jedem Menschen.
Ganz schön viel Anspruch, den diese Hunde zu erfüllen haben.

Gleich vorweg, ich bin keine dieser Trainer/innen die ihre Hunde zu jedem Gruppentraining oder zu jeder Einzelstunde mit dazu nehmen. Das Gleiche gilt für meine Mitarbeiterinnen.
Zum einen widerstrebt es mir, mich und die Fähigkeiten meiner Hunde in den Vordergrund stellen zu wollen, denn das ist in meinen Augen während des Trainings fehl am Platz, da hier das Hauptaugenmerk auf meinen Kunden liegt und ich mich zu Hundertprozent auf diese konzentrieren möchte.

Zum anderen möchte ich meine Hunde auch nicht in jeder Trainingsstunde dabei haben, da diese mitunter auch für meine Hunde kontraproduktiv und sehr anstrengend sein können.
Mal kann ihre Anwesenheit sicherlich sehr hilfreich sein, aber das sollte sich nicht zu einem Dauerzustand entwickeln, da der eigene Hund auch ein Anrecht auf Ruhe hat, und die ist im Trainingsalltag  nicht immer gegeben. Da sind wir uns im Team auch der Verantwortung unseren eigenen Hunden gegenüber bewusst.

Auch eignet sich nicht jeder Hund dafür, als Testhund  oder als Unterstützung für Kundenhunde genommen zu werden, daher sollte man als Trainer immer gut abwägen, was manche Trainingssituationen auch für den eigenen Hund  bedeuten können. Meinem Golden Retriever Balu zum Beispiel würde ich mit solchen Situationen keinen Gefallen tun, während meine Shepherd Hündin Hummel es zum Beispiel liebt, ab und an in Welpen- oder Junghundegruppen aktiv eingesetzt zu werden.

Den eigenen Hund mit ins Training zu bringen, ist für uns Trainer auch immer ein zweischneidiges Schwert, es sollte immer gut durchdacht werden, was ich damit erreichen möchte. Es gibt Kunden, die motiviert es zu sehen, das man mit konsequentem Verhalten einen Hund auf einen guten Trainingsstand bringen kann.
Kunden, die selbst nicht die Konsequentesten oder charakterlich eher unsicher in ihrem Handeln und Tun sind, werde ich damit vielleicht eher noch mehr verunsichern und frustrieren, weil ihre Selbstzweifel verstärkt werden.

Wie schwer der ‚Job‘ als Trainerhund sein kann , hat eine langjährige Kundin und inzwischen auch sehr geschätzte Freundin von mir mal in einem Hundeurlaub in Holland lapidar auf den Punkt gebracht, als ich meine Hündin in ihrem Fehlverhalten korrigiert habe (sie sollte auf ihrer Decke abliegen und hat sich nach einiger Zeit zu meiner Kundin geschlichen, um gestreichelt zu werden 😉 ).

Uschi’s Aussage war in dem Moment : ‚Hummel, du hättest es so einfach und entspannt haben können und dann bist du bei der Chefin gelandet.‘

Auch wenn dieser Satz mit einem Augenzwinkern ausgesprochen wurde, hat er für mich genau das bestätigt, was ich eigentlich denke: Trainerhund sein bedeutet nicht immer Spaß!!!

Mein eigener Anspruch an meine Hunde ist sicherlich um einiges höher als der von Otto-Normalverbraucher, daher bin ich in vielen Punkten auch pingeliger, was für meine Hund manchmal gefühlt einfach nur ‚doof‘ ist, in dem Moment bin ich nämlich quasi der Spielverderber.Während mein Goldie Balu das einfach akzeptiert, muss die Prinzessin des Hauses sowas immer mal wieder mit einem eingeschnappten, vorwurfsvollen Blick untermalen.

Aber auch Kunden beobachten den Trainerhund genauer: was er kann, wie  er sich in Situationen verhält usw..
Da aber auch ein Trainerhund keine Maschine ist, ist es in dem Moment an mir, dies auch meinen Kunden klarzumachen. Bisher habe ich da auch immer gute Erfahrungen mit gemacht, ebenso meine Mitarbeiterinnen.
Es ist viel ehrlicher und authentischer , klar zu kommunizieren, dass auch der eigene Hund mal unerwünschtes Verhalten gezeigt hat oder auch in manchen Situationen noch tut, zu erklären wie viel Training (und aufgeriebene Nerven) es gekostet hat, um den Hund auf seinem jetzigen Trainingslevel zu haben.
Auch unsere Trainerhunde bringen Macken mit sich, sie sind keineswegs perfekt, auch wenn alle fünf über einen guten Gehorsam verfügen, sind sie keine Maschinen und auch wir Trainer müssen uns tagtäglich mit ihnen auseinandersetzen, um sie weiter zu fördern und zu unterstützen.

Sie durchleben ebenso wie jeder andere Hund ihre Entwicklungsphasen, haben jeder unterschiedliche Lernprozesse auf die individuell eingegangen werden muss.
Und ja, auch ein Trainerhund kann sich mal benehmen wie eine offene Hose, davor ist leider keiner von uns gefeit.

Wir drei lieben unsere Charakterköpfe auf jeden Fall auch gerade für die ein oder andere charmante Macke und ihre Kreativität 😉

Ich bin dankbar dafür, dass meine Hunde mein Leben – auch als Trainer – bereichern bzw. bereichert haben. Ohne Boomer hätte ich z.B. nie erkannt wieviel Ruhe und Ausgeglichenheit vernünftig aufgebaute häusliche Strukturen bei einem Hund erzeugen können, ohne Balu und seinen verdammt schwierigen Phasen , Aggressionsverhalten und Reizanfälligkeiten würde mir heute wahrscheinlich das nötige Verständnis für Kunden mit schwierigen und kleinschrittiglernenden Hunden fehlen. Und ohne Hummel wüsste ich wahrscheinlich gar nicht, was es bedeutet eine richtige Diva im Haus zu haben. 😉 Ähnliche Erfahrungen haben auch Norma und Judith mit ihren Hunden gemacht, die eine weiß, was es bedeutet, Hunde aus dem Tierschutz mit einer Vorgeschichte zu bekommen und daran intensiv zu arbeiten (vom Müllplundern bis zum Nicht-Alleine-Bleiben können, war alles dabei), die andere weiß, an welche körperlichen Grenzen man geraten kann, z.B.  wenn ein 43 Kilo schwerer Hund an der Leine plötzlich pöbelt und wie wichtig es ist, gerade bei einem großen Hund ein genaues Training aufzubauen und eine geklärte Beziehung zu haben.

Der Begriff ‚Trainerhund‘ kann aber auch für uns Trainer viel Druck mit sich bringen, denn die Außenwelt hat hohe Erwartungshaltungen.

Hier möchte ich einfach mal eine Lanze brechen, denn ich kenne viele Trainerkollegen, die sich bewusst für schwierige Hunde entscheiden, weil sie ihnen ein Leben in Tierheimen, Sheltern etc. ersparen möchten.
Sie sind sich bewusst darüber, dass diese Hunde nicht in die typische Familie passen , weil sie vielleicht zu ängstlich, zu aggressiv oder generell zu verhaltensauffällig sind, aber sie wollen diesen Hunden eine Chance geben.
Die Chance, sich weiterzuentwickeln, aus ihren bisherigen Verhaltensmustern auszubrechen, kein Wanderpokal oder Dauerinsasse im Tierheim zu werden.
Und ja, sicherlich benimmt sich der ein oder andere Trainerhund dann nicht angemessen, aber er hat jemanden an seiner Seite, der sich darüber im Klaren ist und sich bewusst dafür entschieden hat, mit diesem Hund zu arbeiten.
Und anstatt verächtlicher Bemerkungen hinter vorgehaltener Hand sollte man diesen Menschen lieber Respekt zollen.

Denn letztendlich machen auch wir Trainer nur das, was jeder machen sollte, der sich für einen Hund entschieden hat: Verantwortung für ein Lebewesen übernehmen und es nach bestem Gewissen fordern und fördern.

Ihre Kirsten Koch

PS: Bei der Auswahl der Bilder habe ich mich mit Judith und Norma bewusst für diese ‚Fauxpas‘ entschieden, denn in einer guten, geklärten (!) Beziehung, in der eine klare Rollenverteilung herrscht, kann man auch mal fünfe gerade sein lassen 😉

Angst beim Hund – Trösten und Ignorieren?

Erst neulich habe ich im Fernsehen einen Bericht über einen Hund mit Silvesterangst gesehen, bei dem sich mir ein wenig die Nackenhaare gesträubt haben aufgrund der Ratschläge, die dort zum Thema ‚Angst‘ einem breiten Publikum zugänglich gemacht wurden.

Doch wie genau geht man eigentlich mit der Angst seines Hundes um? Wie kann der Mensch seinem Hund in so einer Situation eine gute Stütze sein?

Einen häufigen Ratschlag, den meine Kunden immer wieder gerne fragend zitieren, ist das Trösten des Hundes in Angstsituationen zu unterlassen und ihn zu ignorieren.

Gerne benutze ich dann einen Vergleich aus dem Humanbereich um ihnen zu verdeutlichen, was das für den Hund bedeuten würde.

Als meine Söhne noch im Kindergartenalter waren, kam es das ein oder andere Mal vor, dass sie nachts aufgewacht sind und nicht wieder einschlafen konnten. Bedingt zum Beispiel durch einen schlechten Traum hatten sie Angst vor einem Monster. Während der eine in dem Moment meine Nähe gesucht hat und in mein Bett gekrabbelt ist, hat der andere keinen Fuß aus seinem Bett gesetzt , weil er davon überzeugt war, dass unter demselbigen das Monster wäre.

Wie habe ich mich nun in dem Moment meinen Kindern gegenüber verhalten ?
Wenn der Ansatz des Nicht-Tröstens und der Ignoranz hier nun greifen würde, hätte ich den einen zurück in sein Bett geschickt und dem anderen wahrscheinlich gesagt ‚er solle sich nicht so anstellen‘.

Stattdessen habe ich ihre Ängste aber Ernst genommen, habe dem einen Sohn durch den gewünschten Körperkontakt im Bett und meiner eigenen Ruhe ein Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit gegeben, bei dem anderen habe ich die Initiative ergriffen und mich auf ‚Monsterjagd‘ begeben, heißt unters Bett und in den Schrank geschaut, um sicher zu stellen, dass dort keine Gefahr lauert.

Viele werden jetzt in Angriff gehen und sagen, dass man Hund und Kind nicht vergleichen sollte.
Es geht mir auch nicht darum, Hund und Kind gleich zu setzen, sondern den Blick für Situationen zu schärfen.
Hätte ich meinen Kindern in ihren Angstsituationen nicht das gegeben, was sie in dem Moment brauchten, hätten wir sicherlich alle in dem Moment eine schlechte Nacht gehabt und ihr Vertrauen in mich wäre erschüttert gewesen.
Stattdessen habe ich ihnen Unterstützung geboten und zwar in dem ich mich aktiv eingebracht habe.

Und das ist es, was der Mensch in einer Angstsituation mit seinem Hund auch tun sollte:
Verantwortung übernehmen und sich aktiv einbringen.
Das heißt nicht, dass ich in wilder Manier auf ihn einrede und die Situation mit einem angstverstärkenden ‚ist ja alles gut‘ kommentiere, sondern seinen Bedürfnissen in dem Moment nachkomme.
Mitleid ist hier völlig fehl am Platz, da der Hund anhand der mitschwingenden Emotionen merkt, dass der Mensch selbst beunruhigt ist und das würde sein Angstgefühl nur noch maximieren.

Bezogen auf die Silvesternacht würde das nun heißen: Wenn mein Hund das Bedürfnis nach körperlicher Nähe hat, mit mir kuscheln möchte, lasse ich dies zu.
Ich verfalle nicht selbst in Panik, weil ich erkenne, dass mein Hund Angst hat, sondern unterstütze ihn mit ruhigen, langsamen Streichelbewegungen und einer ruhigen Ausstrahlung, um seinem Erregungslevel entgegenzuwirken.

Möchte mein Hund sich lieber verkriechen, um Schutz zu suchen, sei es unter dem Tisch, einer Bettdecke oder in einer ihm bekannten Hundebox, dann lasse ich ihm auch diese sichere Schutzzone.

Mein Hund soll merken, dass er auf mich zählen, mir in jeder Situation vertrauen kann.
Ich nehme ihn Ernst!

Wer in Notsituationen für seinen Hund da ist, erlebt auf Dauer etwas ganz besonderes: der Hund erkennt, dass er sich auf seinen Menschen verlassen kann.
Er spürt die Souveränität und Gelassenheit und wird so auch in anderen Situationen seinen Menschen als Hilfe betrachten und ihm dankbar Verantwortung übergeben.
Das stärkt die Bindung und schweißt als Team noch mehr zusammen.

Hunde, die gelernt haben, dass ihr Mensch verlässlich ist, sich aktiv in Situationen einbringt und diese für ihn regelt, neigen dann bei kleinen Schreckszenarien nicht mehr dazu, aus der Situation auszubrechen und fortzulaufen, sondern Schutz bei ihrem Menschen zu suchen und sich bei diesem aufzuhalten.

Dadurch wird der Mensch zu seinem ‚Fels in der Brandung‘ und so sollte es doch eigentlich sein, wenn man Verantwortung für ein Lebewesen übernommen hat. 🙂

Sollten Sie weitere Hilfen zu einem guten Trainingsaufbau benötigen, um zum Beispiel der Silvesterangst Ihres Hundes im neuen Jahr entgegenzuwirken, wenden Sie sich gerne an uns.

‚Nach Silvester ist vor Silvester‘ – ein Spruch, der sich bewahrheitet, denn während man in den knappen Monaten vor Silvester lediglich ein gesundes Management betreiben kann, hat man ab Januar ein ganzes Jahr Zeit, seinen Hund durch Training auf den nächsten Jahreswechsel gut vorzubereiten, damit dieser auch für den Hund entspannt stattfinden kann.

Ihre Kirsten Koch

Ein Hoch auf unsere Hunde – Für mehr Verständnis, wenn sich Bello im Alltag ab und an etwas daneben benimmt

Bei dieser Überschrift schlagen wahrscheinlich schon wieder viele die Hände über den Köpfen zusammen und machen sich bereit um Kommentare a la „ein Hund muss hören“ oder „im Alltag hat mein Hund sich zu benehmen.“ freizulassen. Ich bitte euch, lest diesen Artikel bis zum Schluss.

Denn genau damit sind wir schon mitten im Thema. Wir verlangen heutzutage im Alltag unglaublich viel von unseren Hunden, vor allem aus Hundesicht. Es ist nicht nur das Verlangen, sondern noch viel mehr das Voraussetzen einiger Dinge, denen unsere Hund schlichtweg so nicht gerecht werden können.
Mir fallen da spontan sehr viele Beispiele aus meinem eigenen Alltag mit Hund ein.
Man kommt nach einem langen Tag nach Hause, war noch eben schnell einkaufen und hat wenig Lust zweimal zum Auto zu laufen. Kurzerhand wird irgendwie alles zusammengepackt was mit ins Haus soll, der Hund wird parallel auch noch in akrobatischer Manier angeleint und los gehts. Es kommt, wie es kommen muss, nach 2 Schritten ist die Leine auf Anschlag und ich habe Not zu verhindern, dass meine Klamotten nicht gleich den Bürgersteig zieren.
Versteht mich nicht falsch, mein Hund ist 1a leinenführig und läuft in 9 von 10 Fällen wunderbar entspannt an durchhängender Leine. Aber genau in diesem Moment eben nicht.
Warum ist das so?
Nunja, das kann ehrlicherweise unendlich viele Gründe haben. Entweder ist die Nachbarskatze vor 2 Minuten in der Nähe gewesen und mein kleiner Jäger hat ihren Geruch in der Nase.
Bei anderen Hunden kann es durchaus vorkommen, dass ihnen die Situation aus unterschiedlichsten Gründen einfach unangenehm ist. Oder mein Hund ist ähnlich wie ich froh nach Hause zu kommen um die Pfoten hochzulegen (zugegeben, in diesem Fall eine sehr vermenschlichte Sicht).
Ich werde mir hier nicht anmaßen, Ferndiagnosen für andere Hundehalter zu stellen. Eines kann ich aber mit Sicherheit sagen, der Hund hat in diesem Moment nichts falsch gemacht. Er zeigt ein unerwünschtes Verhalten, ich fluche und bin für eine Sekunde geneigt an der Leine zu rupfen.

Jedoch bin ich es, die für diese Ausgangslage verantwortlich ist. Schließlich habe ich die Entscheidung getroffen, vollbeladen und genervt zum Haus zu marschieren, anstatt zuerst in Ruhe meinen Krempel aus dem Auto zu laden und danach den Hund zu holen.
Ich war viel zu sehr beschäftigt um das nahende „Fehlverhalten“ erkennen zu können , bzw. dessen vermeintlichen Auslöser.
Eigentlich ist genau da der Hundehalter in der Pflicht, unterstützend einzugreifen um den Hund vernünftig zu führen.

Wir Hundehalter müssen uns immer wieder vor Augen halten, dass der Hund in der Welt die wir kennen, niemals alleine zurecht kommen würde.
Und genau das ist der Punkt, ein Hund kommt in die Familie, hat im Idealfall den Status eines Familienmitgliedes und wird mit bestem Wissen und Gewissen großgezogen.

Aber dieser Prozess bedarf Zeit, unendlich viel Zeit. Vor allem einen Hund mit der Außenwelt zu sozialisieren ist eine enorme Verantwortung, der ehrlicherweise nicht jeder gerecht wird.
Das liegt, meiner Meinung nach, nicht selten daran dass die Gesellschaft immer mehr und mehr voraussetzt was ein Hund zu leisten hat, dabei aber vergisst, dass Hunde nur das können was man ihnen beibringt (vereinfacht gesagt).

Es ist völlig irrelevant, ob es nun ein Welpe eines verantwortungsvollen Züchters ist, der mit vielem bereits sozialisiert worden ist oder ein Tierschutzhund, der wenig bis gar nichts kennt. Jeder Hund, egal welches ‚Grundpaket‘ er auch immer mitbringen mag, stößt früher oder später an seine Grenzen.

Spätestens an diesem Punkt, idealerweise viel früher, sollte der Hundehalter erkennen, was sein Hund leisten und vor allem noch nicht leisten kann. Für diese Erkenntnis muss jedoch die Fähigkeit vorhanden sein, einiges in den Kontext rücken zu können. Faktoren wie das Alter, die Vorerfahrung, rassebedingte Eigenschaften, charakterliche Eigenschaften und unzählige mehr, gehören dazu um das ‚Große Ganze‘ vernünftig einordnen zu können.

Um auf das Anfangsbeispiel zurückzukommen, mein Hund hat gelernt erst auf Kommando aus dem Auto zu springen, vernünftig an der Leine zu laufen, Impulse zu kontrollieren und auf Rückmeldung meinerseits zu achten, im Ganzen ist er mittlerweile ein unendlich erfahrener Hund in dem viel Arbeit steckt. Trotzdem zieht er in solchen Situationen ab und an an der Leine,erschrickt sich vor Dingen, setzt im Wald zum Jagen an, klaut Essen vom Tisch, motzt sogar mal an der Leine und benimmt sich generell in vielfältiger Art und Weise gerne daneben.

Das macht er aber nur, wenn ich mich falsch verhalten habe oder er ein Schlupfloch gefunden hat, um seinen Dickkopf durchsetzen zu können.

Wenn es aber drauf ankommt, kann ich mich felsenfest auf dieses Tier verlassen, sei es im Besuchsdienst, wenn ich Pflegehunde mit großen Baustellen bei mir habe oder ihn im Training mit anderen Hunden einsetze. Und genau deswegen gestehe ich diesem Hund auch Momente ein, in denen er nicht zu 100% ‚funktioniert‘ und habe mir abgewöhnt bei jeder kleinen unschönen Situation die Schuld auf meinen Hund abzuwälzen.

In jeden Hund muss enorm viel Arbeit gesteckt werden, sodass er sich in unserer Welt sicher und stressfrei bewegen kann und selbst wenn das geschehen ist, kann das kein Garant für einen bis ins letzte Detail funktionierendes Tier sein.
Dafür mischen viel zu viele Punkte mit, die wenig bis gar nicht zu beeinflussen sind. Ein Hund ist und bleibt ein Tier mit Instinkten, welches in einer für ihn fremden Welt lebt, geführt von Menschen, die ebenso oft genug Opfer ihrer eigenen Emotionen sind. Und schon haben wir den Salat.

Diese Zeilen sollen kein Freifahrtschein für massives Fehlverhalten einiger Hunde und fauler Besitzer sein. Ganz im Gegenteil, sie sollen dazu ermuntern dem eigenen Hund die bestmöglichen Vorraussetzungen, in Form von Erziehung, zu ermöglichen, sodass es im Kontext betrachtet kein Problem darstellt, wenn es mal nicht so funktioniert wie gewünscht.

Arbeitet mit euren Hunden, habt Spaß, baut eine Beziehung auf und vor allem setzt keine Ansprüche an Hunde, die diese einfach nicht erfüllen können. Denn nur so entsteht ein faires Miteinander von dem alle Seiten profitieren.