Kastrationschip
Was ist ein Kastrationschip beim Hund – und welchen Einfluss hat er auf Verhalten, Hormone und den Bewegungsapparat?
Der sogenannte Kastrationschip ist in den letzten Jahren zu einem häufig genutzten Mittel geworden, um Hunde temporär unfruchtbar zu machen oder eine mögliche spätere Kastration „auf Probe“ zu simulieren. Doch was genau bewirkt dieses Implantat? Und wie wirkt es sich – vor allem bei jungen Hunden – auf den Körper und die Entwicklung des Bewegungsapparates aus?
Dieser Blogbeitrag bietet eine fachlich fundierte, verständlich erklärte Übersicht für Hundehalter.
🐾 Was ist ein Kastrationschip überhaupt?
Der Kastrationschip ist kein Mikrochip und auch keine dauerhafte Kastration, sondern ein Hormonimplantat. Am häufigsten wird der Wirkstoff Deslorelin (z. B. Suprelorin®) verwendet, ein sogenannter GnRH-Agonist.
Er bewirkt eine reversible Unterdrückung der Sexualhormone – bei Rüden vor allem Testosteron, bei Hündinnen Östrogen und Progesteron.
Das Implantat wird unter die Haut gesetzt und wirkt je nach Dosierung 6 oder 12 Monate.
🔬 Wie funktioniert der Kastrationschip?
Nach dem Einsetzen gibt es meist eine kurze Initialphase, in der Sexualverhalten sogar leicht zunehmen kann. Danach fällt die Hormonproduktion ab.
Das führt zu:
-
Vermindertem Sexualtrieb
-
Reduzierter hormonbedingter Aggression
-
Temporärer Unfruchtbarkeit
-
Veränderungen in Muskelstoffwechsel und Fellqualität
Der Chip ersetzt jedoch keine Erziehung und löst keine nicht-hormonellen Verhaltensprobleme.
🧠 Wann kann ein Kastrationschip sinnvoll sein?
-
Als Kastrationsprobe, um einzuschätzen, ob eine OP später hilfreich sein könnte
-
Bei medizinischer Notwendigkeit, wenn eine OP nicht sofort möglich ist
-
Zur temporären Fruchtbarkeitskontrolle
-
Zur Einschätzung, ob Verhalten hormonell beeinflusst ist
Gerade für Rüden mit übermäßigem Sexualverhalten oder hormonbedingtem Stress kann der Chip ein guter Diagnoseschritt sein.
🦴 Einfluss des Kastrationschips auf den Bewegungsapparat
Besonders wichtig – und häufig unterschätzt:
Der Chip wirkt hormonell ähnlich wie eine Frühkastration. Und Sexualhormone haben großen Einfluss auf die Skelett- und Muskelentwicklung.
1️⃣ Verzögerte Schließung der Wachstumsfugen
Testosteron und Östrogen steuern die Schließung der Epiphysenfugen. Werden sie unterdrückt:
-
bleiben Wachstumsfugen länger offen,
-
die Röhrenknochen können länger wachsen,
-
die Gliedmaßenwinkel verändern sich.
Das kann zu dauerhaften anatomischen Abweichungen führen und das Risiko für Gelenkprobleme erhöhen.
2️⃣ Höheres Risiko orthopädischer Erkrankungen
Studien zeigen, dass hormonelle Eingriffe im Wachstum mit einem erhöhten Risiko für:
-
Kreuzbandrisse
-
Hüftdysplasie
-
Ellbogendysplasie
-
Patellaluxationen
-
Gelenkinstabilität
in Verbindung stehen können.
Das Risiko ist größer bei mittelgroßen und großen Rassen, deren Wachstum länger dauert.
3️⃣ Veränderungen im Muskel- und Fettstoffwechsel
Wenn Testosteron sinkt:
-
baut der Hund weniger Muskulatur auf,
-
lagert leichter Fett ein,
-
verliert an Stabilität im Bewegungsapparat.
Gerade im Wachstum ist eine gut aufgebaute Muskulatur jedoch entscheidend für Belastbarkeit und gesunde Gelenke.
❗ Was bedeutet das für junge Hunde?
Ein Kastrationschip sollte bei Junghunden nur sehr sorgfältig abgewogen werden.
Er kann:
-
die körperliche Entwicklung beeinflussen,
-
orthopädische Probleme begünstigen,
-
langfristige biomechanische Veränderungen hervorrufen.
Empfehlung vieler Tierärzte und Fachleute:
👉 Keine hormonunterdrückenden Maßnahmen vor Abschluss des Knochenwachstums.
Bei großen Rassen ist das oft erst mit 18–24 Monaten erreicht.
🐕 Fazit: Sinnvoll, aber nicht harmlos
Der Kastrationschip kann ein wertvolles diagnostisches Werkzeug sein – besonders für Hunde, bei denen unklar ist, ob eine spätere Kastration sinnvoll wäre.
Er wirkt jedoch tief in den Hormonhaushalt ein und beeinflusst damit Verhalten, Stoffwechsel und den Bewegungsapparat.
Darum gilt:
-
Einsatz immer individuell betrachten
-
Veterinärmedizinische und verhaltenstherapeutische Beratung einholen
-
Bei Junghunden besonders vorsichtig sein
Ein Chip ersetzt keine Erziehung, aber er kann ein guter Weg sein, um Entscheidungen zur Kastration bewusst und fundiert zu treffen.
Wir beraten Euch auch hierzu. 🙂
Quellen
-
Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (TVT): Merkblatt Kastration beim Hund
-
Kustritz, M.V.R. (2012): Determining the optimal age for gonadectomy of dogs and cats. JAVMA
-
Spain, C.V. et al. (2004): Long-term risks and benefits of early-age gonadectomy in dogs. JAVMA
-
Reichler, I. (2009): Gonadotropin-Releasing Hormone Agonists in Dogs and Cats.
-
Hart, B.L. et al. (2020): Neutering of Golden Retrievers: Effects on Joint Disorders & Cancers. Frontiers in Veterinary Science
-
Virbac: Fachinformation Suprelorin®
Kastrationschip
Was ist ein Kastrationschip beim Hund – und welchen Einfluss hat er auf Verhalten, Hormone und den Bewegungsapparat?
Der sogenannte Kastrationschip ist in den letzten Jahren zu einem häufig genutzten Mittel geworden, um Hunde temporär unfruchtbar zu machen oder eine mögliche spätere Kastration „auf Probe“ zu simulieren. Doch was genau bewirkt dieses Implantat? Und wie wirkt es sich – vor allem bei jungen Hunden – auf den Körper und die Entwicklung des Bewegungsapparates aus?
Dieser Blogbeitrag bietet eine fachlich fundierte, verständlich erklärte Übersicht für Hundehalter.
🐾 Was ist ein Kastrationschip überhaupt?
Der Kastrationschip ist kein Mikrochip und auch keine dauerhafte Kastration, sondern ein Hormonimplantat. Am häufigsten wird der Wirkstoff Deslorelin (z. B. Suprelorin®) verwendet, ein sogenannter GnRH-Agonist.
Er bewirkt eine reversible Unterdrückung der Sexualhormone – bei Rüden vor allem Testosteron, bei Hündinnen Östrogen und Progesteron.
Das Implantat wird unter die Haut gesetzt und wirkt je nach Dosierung 6 oder 12 Monate.
🔬 Wie funktioniert der Kastrationschip?
Nach dem Einsetzen gibt es meist eine kurze Initialphase, in der Sexualverhalten sogar leicht zunehmen kann. Danach fällt die Hormonproduktion ab.
Das führt zu:
-
Vermindertem Sexualtrieb
-
Reduzierter hormonbedingter Aggression
-
Temporärer Unfruchtbarkeit
-
Veränderungen in Muskelstoffwechsel und Fellqualität
Der Chip ersetzt jedoch keine Erziehung und löst keine nicht-hormonellen Verhaltensprobleme.
🧠 Wann kann ein Kastrationschip sinnvoll sein?
-
Als Kastrationsprobe, um einzuschätzen, ob eine OP später hilfreich sein könnte
-
Bei medizinischer Notwendigkeit, wenn eine OP nicht sofort möglich ist
-
Zur temporären Fruchtbarkeitskontrolle
-
Zur Einschätzung, ob Verhalten hormonell beeinflusst ist
Gerade für Rüden mit übermäßigem Sexualverhalten oder hormonbedingtem Stress kann der Chip ein guter Diagnoseschritt sein.
🦴 Einfluss des Kastrationschips auf den Bewegungsapparat
Besonders wichtig – und häufig unterschätzt:
Der Chip wirkt hormonell ähnlich wie eine Frühkastration. Und Sexualhormone haben großen Einfluss auf die Skelett- und Muskelentwicklung.
1️⃣ Verzögerte Schließung der Wachstumsfugen
Testosteron und Östrogen steuern die Schließung der Epiphysenfugen. Werden sie unterdrückt:
-
bleiben Wachstumsfugen länger offen,
-
die Röhrenknochen können länger wachsen,
-
die Gliedmaßenwinkel verändern sich.
Das kann zu dauerhaften anatomischen Abweichungen führen und das Risiko für Gelenkprobleme erhöhen.
2️⃣ Höheres Risiko orthopädischer Erkrankungen
Studien zeigen, dass hormonelle Eingriffe im Wachstum mit einem erhöhten Risiko für:
-
Kreuzbandrisse
-
Hüftdysplasie
-
Ellbogendysplasie
-
Patellaluxationen
-
Gelenkinstabilität
in Verbindung stehen können.
Das Risiko ist größer bei mittelgroßen und großen Rassen, deren Wachstum länger dauert.
3️⃣ Veränderungen im Muskel- und Fettstoffwechsel
Wenn Testosteron sinkt:
-
baut der Hund weniger Muskulatur auf,
-
lagert leichter Fett ein,
-
verliert an Stabilität im Bewegungsapparat.
Gerade im Wachstum ist eine gut aufgebaute Muskulatur jedoch entscheidend für Belastbarkeit und gesunde Gelenke.
❗ Was bedeutet das für junge Hunde?
Ein Kastrationschip sollte bei Junghunden nur sehr sorgfältig abgewogen werden.
Er kann:
-
die körperliche Entwicklung beeinflussen,
-
orthopädische Probleme begünstigen,
-
langfristige biomechanische Veränderungen hervorrufen.
Empfehlung vieler Tierärzte und Fachleute:
👉 Keine hormonunterdrückenden Maßnahmen vor Abschluss des Knochenwachstums.
Bei großen Rassen ist das oft erst mit 18–24 Monaten erreicht.
🐕 Fazit: Sinnvoll, aber nicht harmlos
Der Kastrationschip kann ein wertvolles diagnostisches Werkzeug sein – besonders für Hunde, bei denen unklar ist, ob eine spätere Kastration sinnvoll wäre.
Er wirkt jedoch tief in den Hormonhaushalt ein und beeinflusst damit Verhalten, Stoffwechsel und den Bewegungsapparat.
Darum gilt:
-
Einsatz immer individuell betrachten
-
Veterinärmedizinische und verhaltenstherapeutische Beratung einholen
-
Bei Junghunden besonders vorsichtig sein
Ein Chip ersetzt keine Erziehung, aber er kann ein guter Weg sein, um Entscheidungen zur Kastration bewusst und fundiert zu treffen.
Wir beraten Euch auch hierzu. 🙂
Quellen
-
Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (TVT): Merkblatt Kastration beim Hund
-
Kustritz, M.V.R. (2012): Determining the optimal age for gonadectomy of dogs and cats. JAVMA
-
Spain, C.V. et al. (2004): Long-term risks and benefits of early-age gonadectomy in dogs. JAVMA
-
Reichler, I. (2009): Gonadotropin-Releasing Hormone Agonists in Dogs and Cats.
-
Hart, B.L. et al. (2020): Neutering of Golden Retrievers: Effects on Joint Disorders & Cancers. Frontiers in Veterinary Science
-
Virbac: Fachinformation Suprelorin®

